Behavioral Finance

Emotionen an den Märkten täuschen uns: Wie kommt man aus der Sackgasse?

Verfasst von MoneyController am 07.06.2021

Die Brüder Mats und Matti Wolk arbeiten beide bei Barbarossa Asset Management und engagieren sich in ihrer Arbeit auch für die finanzielle Fortbildung. Ein interessanter Artikel von ihnen über Behavioral Finance, der es wert ist, zitiert zu werden, wurde auch in der Zeitschrift "Das Investment" veröffentlicht.

Die Fabel vom Homo oeconomicus

Vieles hat sich verändert, seit der schottische Ökonom Adam Smith die Theorie des Homo oeconomicus formulierte, ein ideales Modell menschlichen Verhaltens in Bezug auf die Wirtschaft. Die Rationalität hingegen spielt - wie viele der nachfolgenden Studien gezeigt haben - eine Rolle, die bei unseren Entscheidungen unbedingt redimensioniert werden sollte. Oft greifen nämlich Faktoren ein, die mit Zufall, sozialer Konditionierung und unseren Emotionen zusammenhängen. Behavioural Finance untersucht die Verflechtung von Psychologie, Soziologie und Finanzen im menschlichen Verhalten. Was dabei herauskommt, ist ein Menschenmodell, das sich von Smiths Idee stark unterscheidet; ein Modell, das jedoch durch einige Konstanten gekennzeichnet ist.

Bestätigungsfehler und Reduktion von Dissonanz

Mats und Matti Wolk sprechen beispielsweise vom "Confirmation Bias" (Bestätigungsfehler). Dabei handelt es sich um ein Verhalten, das die Anleger dazu bringt, Nachrichten und Informationen, die ihren Erwartungen widersprechen, leichter (und in einigen Fällen sogar systematisch) zu ignorieren. Im Gegenteil, wir akzeptieren viel eher Nachrichten, die unsere Vorstellungen bestätigen. Jede Form von (kognitiver) Dissonanz wird bekämpft, in manchen Fällen sogar durch Änderung der Anlagestrategie.

Verlieren: die größte Angst

Daniel Kahneman und Amos Tsversky haben, wie sich die Gebrüder Wolk erinnern, sehr deutlich gezeigt, dass der Mensch lieber einen Verlust vermeidet, als einen Gewinn anzustreben. Das bedeutet, dass ein Anlageportfolio folgende Tendenz hat: Lange bevor es wirklich angebracht wäre, trennt man sich zu früh von Aktien, die gut laufen, und zu spät von denen, die schlecht laufen. Auch der eigene Ruf steht auf dem Spiel, der unbewusst für wichtiger gehalten wird als die eigenen Interessen. Wenn ich eine Aktie verkaufe, die sich schlecht entwickelt, bedeutet das, dass ich mich geirrt habe; wenn ich es nicht tue, bedeutet es, dass ich immer noch Vertrauen in meine Entscheidung habe.

Wie kann man emotionale Fallen überwinden?

Es stimmt nicht, dass es keine Mittel gegen die Tricks gibt, die uns unsere Emotionen an den Märkten spielen. Die Gebrüder Wolk weisen auf zwei Lösungen hin: sich in bestimmten Bereichen mehr auf Technologie zu verlassen und damit fortzufahren sich über die Risiken und Mechanismen der Märkte weiterzubilden. Dies ist umso dringlicher, als Software das Finanzwesen zunehmend demokratisiert und die Möglichkeit, direkt zu investieren, auf die breite Masse ausweitet. Die Bürger der Zukunft von klein auf über die Risiken von Emotionalität im Umgang mit Geld aufzuklären und einige sensible Entscheidungen einer künstlichen Intelligenz anzuvertrauen, kann jedoch sehr helfen, die Interessen der Anleger besser zu wahren.

 

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