Finanzberatung

Beratung: Es ist wichtig, sich seiner Rolle bewusst zu sein

Verfasst von MoneyController am 23.11.2021

In einem interessanten Interview, das im Magazin „FONDS Professionell“ erschienen ist, sprach der Steuer- und Anlageexperte Andreas Beys von der Firma Sauren Fonds-Service über die Unterschiede im ETF-Absatz zwischen dem nordamerikanischen und dem europäischen Markt. Dabei berührte er jedoch einen zentralen Punkt im Zusammenhang mit der Zukunft der Beratungsdienstleistungen: Das Bewusstsein für die Rolle der Berater angesichts der Herausforderungen der Finanzmärkte heutzutage.

ETFs: Warum ist der US-Markt größer?

Das Thema, das Beys anspricht, betrifft den großen Unterschied in Bezug auf das Anlagevolumen in ETFs zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Markt. Dieser Unterschied sei darauf zurückzuführen, dass die europäischen Anleger das Potenzial des passiven Investierens noch nicht vollständig erkannt hätten. Beys glaubt jedoch nicht, dass dies der Fall ist: ETFs genießen in den USA einfach eine privilegierte Besteuerung. Würde diese wegfallen, würde auch der Markt für passive Investitionen in den USA zurückgehen. Es ist nicht verwunderlich, dass der US-Markt 5,5 Billionen Dollar an ETFs umfasst, verglichen mit nur 1,2 Billionen Dollar in Europa und nur 47,6 Milliarden Euro in Deutschland (die USA haben 331 Millionen Einwohner, verglichen mit 746 in Europa und 83 in Deutschland). Auf Drängen derjenigen, die dafür plädieren, dass Europa auch passive Anlageprodukte mit der gleichen Aufmerksamkeit betrachten sollte, wie Beys darlegt, hat sich das Investitionsvolumen in ETFs jedoch auch diesseits des Atlantiks erheblich erhöht.

Passive Fonds und die Risiken für Berater

Eines der Risiken, die Berater eingehen, wenn sie ihren Schwerpunkt auf passive Fonds verlagern, besteht laut Beys darin, sich zu echten Vermögensverwaltern oder Portfoliomanagern zu entwickeln. Das bedeutet, dass der Kunde im Falle eines Misserfolgs des passiven Fonds dazu neigt, die ganze Schuld für das Scheitern dem Berater zuzuschreiben. Stattdessen sollte der Berater zu einer aktiven Rolle zurückkehren, indem er den Kunden einfach bei seinen Anlageentscheidungen begleitet, wenn auch auf professionelle Art und Weise. Auf diese Weise könnte er zu einer aktiven Rolle bei der Auswahl und Änderung der Strategie zurückkehren, einen großen Teil der Verantwortung abgeben und mehr Handlungsspielraum haben, um den Kurs zu ändern, wenn sich die Investitionen nicht allzu positiventwickeln.

Die Rolle von Finanzberatern

Denn wie Beys feststellt, sei es eine ziemlich naive Einstellung, zu glauben, man könne die Märkte beherrschen oder sogar mühelos seine Anlageziele erreichen, indem man einfach Anteile an passiven Fonds kaufe. Für Investitionen an den Märkten würden nämlich spezialisierte Fachleute benötigt, die sich um die gesamte Finanzplanung ihrer Kunden kümmern könnten. Wie Beys behauptet: „Finanzberater sind wichtige Mittelsmänner und -frauen zwischen der Lebenswirklichkeit von Menschen und den Angeboten professioneller Vermögensverwaltungskonzepte“. Und weiter: „Von daher ist der beste Schutz vor Konkurrenzprodukten oder anderen Finanzdienstleistern eine möglichst enge und vertrauensvolle Bindung zum Anleger und dessen Familie“.

Der Artikel wurde auch von Finanzcoach Monika Müller von FCM Finanz Coaching kommentiert, die darauf hinwies, dass es technische Verfahren gäbe, bei denen der Mensch inzwischen weitgehend von Programmen überholt werde (man denke an Robo-Advisor oder Asset-Allocation-Programme). Es bleibe jedoch noch genügend Spielraum für die Ausübung einer absolut unverzichtbaren Beratungsunktion. Wie es im Kommentar heißt, „Finanzberater werden sich mehr als heute dem Kunden und der Kundin widmen können. Fragen aufgreifen, die Google nicht beantworten kann“.

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