Staatsanleihen und Zinsen

Der ausbleibende Boom bei Schwellenländeranleihen

Verfasst von MoneyController am 25.05.2021

Was ist in den Schwellenländern los? Wieso kommt der lang erwartete Anleiheboom nicht? Alejandro Arevalo von der Investmentfirma Jupiter AM analysiert die Umstände, die zu einer gewissen Instabilität in den Schwellenländern geführt haben, die aber nicht ausschließen, dass man diesen Markt wieder mit Zuversicht betrachten könnte.

Der erste Grund, den Arevalo für das ausbleibende Wachstum des Marktes für Schwellenländeranleihen nennt, ist technischer Natur und bezieht sich auf den Anstieg der Zinsen für US-Staatsanleihen. Es gab auch eine Reihe von nicht miteinander zusammenhängenden politischen und wirtschaftlichen Umständen, die zu einer gewissen Instabilität in den Schwellenländern geführt haben. Dazu gehörten unter anderem: Erdogans Entlassung des türkischen Zentralbankpräsidenten, was der Lira einen schweren Schlag versetzte; Gerüchte (die später dementiert wurden) über eine mögliche Insolvenz des chinesischen Staatsunternehmens Huarong, was den Wert der Anleihen innerhalb weniger Tage halbierte; schließlich scheint Pedro Castillo, ein Mitglied der peruanischen Linken, kurz davor zu stehen, die Wahlen in seinem Land endgültig zu gewinnen, was zu einem vorsorglichen Verkauf von peruanischen Finanzanlagen geführt hat.

Für Arevalo sollten diese Ereignisse jedoch kein Misstrauen gegenüber den Schwellenländern hervorrufen. Im Gegenteil, mit Renditen bei Staatsanleihen von 5 % und bei Unternehmensanleihen von 4,3 % bleiben die Schwellenländer aus Renditesicht wirklich wettbewerbsfähig. Es genügt die Tatsache zu erwähnen - wie Arevalo es tut -, dass nur 11 % der festverzinslichen Anleihen weltweit eine Rendite von 3 % überschreiten.

Die Schwellenländer erweisen sich insbesondere als sehr attraktiv für die Wachstumsperspektiven von Unternehmen: Unternehmen aus Schwellenländern können im Durchschnitt eine geringere Verschuldung vorweisen als ihre Konkurrenten in den Industrieländern. Darüber hinaus können sie auf einen Markt zählen, der aus demografischer Sicht mehr Chancen bietet als jeder andere.

Strategisch bevorzugt Jupiter AM Investitionen in Lateinamerika, als Rohstofflieferant und aus energetischer Sicht, ohne dabei die Präsenz in den USA zu vergessen, die im Moment der wichtigste Motor des globalen Wachstums bleiben. Arevalo berichtet, dass sein Unternehmen auch einige afrikanische Emittenten von Staatsanleihen, die als zuverlässig gelten, ausgewählt hat, in die es investiert. Weniger exponiert ist man hingegen in Asien, wo die wirtschaftliche Erholung bereits stattgefunden hat und (wie Huarong gezeigt hat) immer die Gefahr eines Überengagements in chinesischen Anleihen besteht. Zusammenfassend weist Arevalo darauf hin, dass sich Schwellenländeranleihen in den letzten Monaten nicht nur als weit weniger turbulent erwiesen haben, als zu erwarten gewesen wäre, sondern auch weiterhin einer der Sektoren mit den größten Renditegarantien für Anleger bleiben.

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