Marc-Oliver Lux

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Persönliches Finanzmanagement

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09.10.2019

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Börse aktuell: Technologie macht nächsten Tausender voll

Verfasst am 04.09.2020

Sehr geehrter Anleger, der NASDAQ spurtet davon; der DAX kommt nicht hinterher. Die Schwäche hat Gründe. Lesen Sie außerdem, wie sehr nachhaltige Investments mittlerweile bereits gefragt sind und wo unser Finanzminister wieder zugreifen will. Der amerikanische Technologieindex NASDAQ schraubt sich von einem Allzeit-Hoch zum nächsten. Im Februar vor Corona hatte der Index nach einem rasanten Aufstieg in 2019 immerhin 9.736 Punkte erreicht. Mit Corona ging es 3.000 Punkte bis auf 6.776 abwärts. Wie bekannt, hat sich die Börse allgemein sehr gut von den Corona-Tiefs erholt, im NASDAQ jedoch fiel die Bewegung sehr viel stärker aus als in allen anderen Indizes. Der NASDAQ übertraf nicht nur innerhalb von drei Monaten sein altes Hoch vom Februar, sondern kletterte Tausender um Tausender weiter in die Höhe. Nun wurde sogar die 12.000er-Marke überschritten – und das muss nicht das Ende sein, trotz aktueller Delle. Die amerikanischen Technologiewerte sind megastark. Beispiel Apple: mit einer Marktkapitalisierung von sagenhaften 2 Billionen Dollar ist der Apfelkonzern nun das wertvollste Unternehmen der Welt; der Kurs hat sich seit Corona in nur 5 Monaten quasi verdoppelt; der kürzliche Aktiensplit dürfte für weitere Kurssteigerungen eher förderlich sein. Ganz anders dagegen am deutschen Aktienmarkt, dem DAX: Zwar folgte hier nach Corona ebenfalls eine Erholung, aber die Zusammensetzung des Index mit wenig dynamischen Werten macht es dem Index schwer, überhaupt mal das Vor-Corona-Hoch bei 13.776 einzustellen. Der DAX beschäftigt sich schon viele Wochen mit der 13.000er-Marke, während der NASDAQ einfach weitergelaufen ist. Immerhin hat der DAX den Börsenmonat August mit +5,1% ganz gut überstanden, denn zurückgerechnet auf die monatliche Performance der vergangenen 20 Jahre ist der August mit durchschnittlich -2,5% ein eher schwacher Monat. Der DAX ist und bleibt dennoch ein träger und unsteter Nachzügler, der sich nicht aus eigener Kraft zu neuen Höhen schwingen kann. Solange jedoch die US-Börsen steigen, wird sich dies früher oder später auch auf den DAX übertragen. Das Problem ist, dass sich zu viele faule Eier in der DAX-Familie befinden. Der Betrugsfall Wirecard ist dabei sicher das frappierendste Beispiel. Insofern wäre es wohl an der Zeit, die Aufnahmekriterien für den DAX zu überdenken. Schon die Aufnahme von MTU in den DAX wurde zum Rohrkrepierer. Gleiches galt für Covestro. Natürlich benötigen Unternehmen eine gewisse Größe, um überhaupt in die erste Aktienliga aufsteigen zu dürfen. Das bedeutet, Unternehmen müssen zunächst wachsen. Die Wachstumsphase ist für Anleger am interessantesten, denn sie ist häufig mit hohen Kurssteigerungen verbunden. Unglücklicherweise findet diese Wachstumsphase aber nicht im DAX statt, sondern in den unteren Aktienligen SDAX oder MDAX. Deshalb haben sich diese Indizes in der Vergangenheit häufig besser entwickelt als der DAX. Noch schlimmer: Wenn die Aktien letztlich die Aufnahmekriterien bezüglich Marktkapitalisierung und Handelsumsatz erfüllen und in den DAX wechseln, haben sie oft ihre Wachstumsstory hinter sich. Die Neukandidaten starten im DAX somit zu Höchstkursen und mit hoher Bewertung. Die Gefahr ist groß, dass es nach Aufnahme erst mal eher nur abwärts gehen kann, weil eine bewertungstechnische Anpassung an die anderen DAX-Werte stattfindet. Das Phänomen konnte man immer wieder beobachten, deswegen mag die DAX-Aufnahme das einzelne Unternehmen adeln, aus Anlegersicht muss man es oft kritisch hinterfragen, wenn ein bisheriger MDAX-/SDAX-Highflyer in die erste Liga aufgenommen wird. Beim Neuling Delivery Hero könnte sich die Kursmisere daher wiederholen.   Private Vermögensanlage: Nachhaltig investieren (I) Ein Trend zieht immer stärker in die private Geldanlage ein: Immer mehr Menschen achten mittlerweile nicht mehr nur auf die Rendite, die ihr Finanzkapital abwirft, sondern auch darauf, dass es nachhaltig investiert wird. Das Kapital, das private Anleger in nachhaltige Finanzprodukte investieren - also in jene Produkte, die Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs-Kriterien ausdrücklich in ihren Anlagebedingungen verankern -, hat sich innerhalb von nur zwölf Monaten fast verdoppelt von 9,4 Milliarden Euro auf über 18 Milliarden Euro. Passend zur steigenden Nachfrage gibt es mittlerweile ein recht umfangreiches Angebot zur Geldanlage, aus dem Anleger mit Interesse an Nachhaltigkeit wählen können. Die Anbieter treffen damit den Nerv der Verbraucher - machen allerdings mit der neuen Flut an Produkten auch vielen die Investmententscheidung schwer. Von aktiv gemanagten Fonds bis hin zu Indexfonds bzw. ETFs und Direktinvestments gibt es offenbar kein Finanzprodukt für Privatanleger, das nicht mittlerweile auch in vielfältigen nachhaltigen Versionen erhältlich ist. So gibt es inzwischen 145 nachhaltig gemanagte Investmentfonds allein in Deutschland. Das Vermögen in den Fonds stieg um gut 40% von 44,7 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 63,2 Milliarden Euro in 2019. Zum Vergleich: 2005 steckten gerade einmal 2,6 Milliarden Euro in diesen Fonds. In solche Produkte legen allerdings auch große Investoren wie Stiftungen, Pensionskassen oder Versicherungen Kapital an. Für die Qual der Produktauswahl werden Anleger aber oft auch belohnt: Weil die Nachfrage nach nachhaltigen Investments steigt, werfen diese Anlage zunehmend mehr Rendite ab als ihre nicht-nachhaltigen Pendants, aus denen tendenziell Geld abfließt. In den vergangenen zehn Jahren brachten nachhaltige globale Aktienfonds jährlich im Schnitt eine Mehrrendite von einem halben Prozentpunkt. Dieser Vorsprung wuchs im vergangenen Jahr auf 3,1 Prozentpunkte. Und auch in diesem von der Coronakrise geschüttelten Jahr hat der breite Aktienindex MSCI World SRI mit Ausrichtung auf Nachhaltigkeit bisher etwas besser ausgesehen und etwas weniger verloren als sein traditioneller "Bruder", der MSCI World. Doch wie funktioniert das nachhaltige Anlegen? Welche Strategie führt zum Erfolg, welche Produkte sind besonders geeignet, und wie können Anleger ihre Investmentideen umsetzen? Generell gilt: Ob ein Depot nun als hell- oder dunkelgrün - also als wenig oder besonders nachhaltig - bezeichnet werden kann, es gelten stets die gleichen wichtigen Grundsätze für die private Geldanlage. Daher sollte sich jeder Anleger, der über nachhaltiges Investieren nachdenkt, zunächst grundlegende Fragen stellen: Wie viel Geld kann ich beiseitelegen? Wie lange kann ich darauf verzichten? Lege ich langfristig für meine Altersvorsorge an, oder ist das mittelfristige Ziel beispielsweise der Kauf einer Immobilie oder eines Autos? Kann ich auch bei hohem Risiko ruhig schlafen, oder brauche ich in erster Linie Sicherheit im Depot? Anleger sollten also entscheiden, welchen Teil des Geldes sie in Produkte mit höherem Risiko wie beispielsweise Aktienfonds stecken und welcher Teil wertstabiler und damit sicherer angelegt werden soll, zum Beispiel in einem Rentenfonds oder auf einem Tagesgeldkonto. Erst dann kommt das Thema „Nachhaltigkeit". Ein einfacher Weg zur Nachhaltigkeit ohne Risiko von Kursschwankungen ist ein Konto bei einer Nachhaltigkeitsbank, wie z.B. bei der Triodos Bank oder bei der Gemeinschaftsbank GLS. Etwas mehr Mühe macht es, Geld am Kapitalmarkt mit gutem Gewissen anzulegen. Dort allerdings können Anleger Chancen auf Renditen wahrnehmen, etwa über breiter anlegende Fonds oder indexnachbildende ETFs. Doch bevor Anleger darauf schauen, welches Produkt passt, gibt es ein paar Dinge zu bedenken, die im nächsten Anlegerbrief beleuchtet werden.   Steuern: XETRA-Gold im Visier Für Anleger, die keine Barren in den Tresor oder ins Bankschließfach legen wollen, sind sie eine bequeme Alternative: mit physischem Gold hinterlegte Exchange Traded Commodities (ETCs) bilden die Wertentwicklung des Edelmetalls als börsennotierte Anleihen ab und verbriefen einen Lieferanspruch. Im Zuge der Goldpreis-Rallye seit mehreren Monaten sind ETCs wie EUWAX Gold II und XETRA-Gold derzeit stark gefragt: seit Jahresbeginn stieg allein beim Marktführer XETRA-Gold der verbriefte Bestand des Edelmetalls bis zum 30. Juni um 18,5 Tonnen und markierte zur Jahresmitte mit 221,7 Tonnen einen neuen Rekordwert. Grundsätzlich sind mit ETCs realisierte Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei, wenn der Lieferanspruch vom Emittenten grammgenau verbrieft wird. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden (Az. VIII R 4/15; VIII R 35/14). Das Finanzministerium bestätigte später die Urteile per Erlass (Gz.IVC1-S2252/08/10004:017). Bundesfinanzminister Olaf Scholz scheint die von seinem Vorgänger Wolfgang Schäuble vor vier Jahren getroffene Entscheidung aber ein Dorn im Auge zu sein. Offenbar wollte er den Fiskus am Goldrausch der Investoren teilhaben lassen, denn der Mitte Juni veröffentlichte Entwurf des Jahressteuergesetzes 2020 sah vor, dass auch alle Erträge aus Forderungen, bei denen statt der Rückzahlung des Geldbetrags eine Sachleistung gewährt wird, ab dem kommenden Jahr der Abgeltungssteuer unterliegen sollten. Das hätte gravierende steuerliche Auswirkungen für Goldanleger, denn die Depotbanken würden beim Verkauf von Gold-ETCs auf die Gewinne stets Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (insg. maximal 27,98%) abführen - unabhängig von der Haltedauer. Und einen Bestandsschutz für Alt-ETCs, die bereits länger als ein Jahr im Depot liegen, sollte es auch nicht geben. In der jüngsten Fassung des Finanzministeriums ist der Steuerpassus allerdings nicht mehr enthalten. Goldanleger können somit zunächst aufatmen, aber es wäre trügerisch, sich in Sicherheit zu wiegen. Der Staat benötigt nach Corona viel Geld zur Refinanzierung seiner  Unterstützungsprogramme – da ist es naheliegend, neue Honigtöpfe anzuzapfen. Bei Finanzminister Scholz muß man ohnehin immer mal wieder mit Finten rechnen. Bereits im letzten Jahr schmuggelte er die Begrenzung der Verlustverrechnung von Termingeschäften in den endgültigen Gesetzestext, obwohl dies eigentlich nicht mehr zur Debatte stand.      An der Behandlung von physischem Gold soll sich steuerlich jedenfalls nichts ändern: Verkaufsgewinne mit Goldbarren und -münzen sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Auch die Ausübung des Lieferanspruchs auf physisches Gold ist nach einem weiteren Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2018 nicht als Veräußerung zu besteuern (Az. IX R 33/17).

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Aktuelle Sommeraktion für Online-Geldanlage: Jetzt günstig in Aktien investieren

Verfasst am 07.08.2020

Die Börsen haben wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Bauchgefühl hin oder her, die Notenbankpolitik, die Geldschwemme am Markt und letztlich die Kursdynamik sprechen für weiter steigende Aktienkurse. Mit unserem Anlagekonzept STARKE MARKEN setzen Sie auf Einzelaktien internationaler Markenunternehmen (Schwerpunkt Konsum-/Luxusgüter). So profitieren Sie von der Solidität und dem langfristigen Wachstum global aufgestellter Unternehmen wie Apple, Coca-Cola, Nestlé, u.a. Viele dieser Unternehmen schütten regelmäßig Dividende aus und liefern Ihnen so einen Grundertrag von ca. 3% pro Jahr. In Abschwungphasen der Finanzmärkte sichern wir Ihr Depot mit einer Gegenposition ab, um Ihr Kapital zu erhalten.   Geld anlegen in STARKE MARKEN  –  so einfach funktioniert es Auf Basis einiger Online-Fragen wird die geeignete Depotstruktur für Ihr persönliches STARKE-MARKEN-Depot ermittelt. Sie können direkt online Ihr Depot eröffnen (kein PostIdent notwendig). Sobald Sie den Anlagebetrag eingezahlt haben, startet automatisch die Vermögensverwaltung.   Sommeraktion bis 31.08.2020: Jetzt in STARKE MARKEN anlegen und Gratismonate sichern Nutzen Sie unser Sommerangebot in der Online-Vermögensverwaltung: Wenn Sie bis 31.08.2020 mindestens 30.000 Euro anlegen, sparen Sie bis Jahresende die Verwaltungskosten!   Jetzt STARKE-MARKEN-Depot eröffnen und Gratismonate sichern! Ihr persönliches STARKE-MARKEN-Depot im Überblick: Systematische Sachwert-Anlage in Einzelaktien Depot-Zusammensetzung abgestimmt auf Ihr persönliches Risikoprofil Dynamisches Depot-Man­age­ment mit aktiver Absicherung bei fallenden Märkten Keine Mindestvertragslaufzeit Die Verwaltungskosten der Online-Vermögensverwaltung betragen 0,95% p.a. fix zuzüglich 10% Performancefee (jeweils inkl. MwSt.). Im Rahmen der Sommeraktion erhalten Sie die bis Jahresende angefallenen Verwaltungskosten für das STARKE-MARKEN-Online-Depot zum 31.1.2021 rückvergütet, wenn das Online-Depot bis dahin noch besteht. (Depotbankkosten: 0,20% p.a. inkl. MwSt. und aller Transaktionen) Hinweis: Geldanlagen an Kapitalmärkten unterliegen verschiedenen Risiken, die zu einem Kapitalverlust bis hin zum Totalverlust führen können. Alle Informationen zum Online-STARKE-MARKEN-Depot hier!   Für nähere Fragen zum Anlagekonzept STARKE MARKEN steht Ihnen gerne unser Team bei Dr. Lux & Präuner zur Verfügung. Gerne schicken wir Ihnen auch eine schriftliche Präsentation zu. Verwenden Sie hierzu bitte unser Kontaktformular. Wenn Sie für Ihre Geldanlage generell eine persönliche Betreuung bevorzugen, legen wir Ihnen unsere klassische Vermögensverwaltung ans Herz. Im Zuge dessen bieten wir regelmäßig Vor-Ort-Termine in verschiedenen Regionen Deutschlands an. Hier unsere nächsten Termine vor Ort: Stuttgart: 13.-14.8.2020 Regensburg / Nürnberg: 20./21.8.2020 Frankfurt / Mannheim / Karlsruhe / Freiburg: 7.-11.9.2020 Berlin: 24.-25.9.2020

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Börse aktuell: Kaufrausch in den Tech-Werten

Verfasst am 18.07.2020

Sehr geehrter Anleger, Amazon & Co haben die nächste Raketenstufe gezündet. Die Kurse vieler Technologiewerte scheinen die Bodenhaftung verloren zu haben und auf dem Weg zum Mond. Lesen Sie außerdem, warum Analysten trotz Börsenrallye skeptisch bleiben und wie Anleger mit speziellen Indexfonds mit zweifacher Stärke am Auf und Ab der Märkte teilhaben können. An den Aktienmärkten herrscht mittlerweile Hochstimmung, mag man meinen. Der DAX steht wieder nahe an der 13.000er-Marke, hat also seit dem Tief im März gut 5000 Punkte aufgeholt. Und blickt man auf die US-Technologiewerte und ihrem zugehörigen Aktienindex NASDAQ, entsteht der Eindruck „Das war´s – up, up and away!“. Der NASDAQ hat nicht nur das Vorkrisenniveau erreicht, sondern steigt seit einigen Wochen Tag für Tag auf neue Allzeithochs. Gerade wegen Corona fließt immer mehr Kapital in die Tech-Aktien, die als Profiteure der Pandemie gelten. Der digitale Wandel wird durch die Krise und die sozialen Einschränkungen beschleunigt, da Verbraucher und Unternehmen neue Wege für das Einkaufen, die Unterhaltung und die Gesundheitsversorgung kennengelernt haben. Die Erwartung der Investoren ist, dass dies vor allem den US-Technologiekonzernen zugutekommt. Viele Tech-Aktien notieren daher wieder nahe ihrer Höchststände, oder gar darüber. In einigen Einzelwerten macht sich sogar wahre Kaufpanik breit: Seit dem Corona-Tief im März hat sich Amazon verdoppelt und Tesla vervierfacht. Bei Amazon führt das zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von weit über 200! Tesla könnte mit seiner aktuell erreichten Marktkapitalisierung die gesamte deutsche Automobilindustrie aus der Portokasse bezahlen. Ein KGV gibt es nicht, denn die Firma produzierte ja bisher nur Verluste. Einfach nur absurd. Die krassen Kursverwerfungen in den Zukunftsbranchen ergeben sich jedoch auch aus der dramatischen Ausweitung der Geldmenge durch die US-Notenbank FED, die die Vermögenspreisinflation bei Aktien, Gold und Immobilien weiter beschleunigt. Von den Niedrigzinsen profitieren aus einfachen mathematischen Gründen ganz besonders die Aktien von wachstumsstarken Unternehmen, die einen Großteil ihrer Gewinne erst in weiter Zukunft erzielen werden, da hier eine Verringerung des Abzinsungsfaktors in Bewertungsmodellen wie dem Discounted-Cashflow-Modell besonders stark ins Gewicht fällt. So werden zukünftige Gewinne nahezu 1:1 und ohne Abschlag heute schon eingepreist. Ebenfalls eingepreist werden quasi Monopolgewinne, so als hätten Unternehmen der „Old Economy“ keine Berechtigung mehr – auch das kennt man bereits von der ersten Internet-Euphorie um die Jahrtausendwende. Insofern nimmt die Gefahr zu, dass die Börsianer die Lage zu optimistisch einschätzen. Der größte Unsicherheitsfaktor bleibt das Virus selbst. Zumal gerade in den USA die Corona-Infektionszahlen kräftig weiter steigen. Die erste Welle ist bisher überhaupt nicht zum Stillstand gekommen. Die ersten Bundesstaaten müssen Lockerungen wieder zurücknehmen. Für den amerikanischen Arbeitsmarkt ist dies verheerend. In keiner der zurückliegenden Krisen waren so viele Amerikaner arbeitslos wie heute. Dass Volkswirtschaft und Aktienmärkte in unterschiedliche Richtungen laufen, ist jedoch nicht ungewöhnlich. Die Börse blickt oft voraus. Die Kurse drehen meist deutlich vor der Realwirtschaft. Vorbild für die Bullen ist die große Finanzkrise. Die brachte schmerzhafte Verluste, leitete aber auch eine elf Jahre währende Aktienmarktrallye ein. Das Rezept von damals - massive Staatshilfen und Geldspritzen der Notenbanken – wirkt auch heute. In diesem Sinne: up, up and away!   Aktien: Analysten befürchten neue Einbrüche Die Extreme an den Aktienmärkten sind historisch. Von Mitte Februar bis Mitte März stürzten die Börsen so schnell ab wie noch nie. Mehr als 26 Billionen Dollar wurden an den Aktienmärkten weltweit vernichtet, als die Corona-Pandemie nach und nach die Weltwirtschaft stilllegte. Große Indizes wie der amerikanische S&P 500 und der globale Aktienindex MSCI World All Countries Index brachen um ein Drittel ein, beim deutschen Leitindex DAX waren es sogar rund 40%. Seither geht es aber wieder rasant bergauf, obwohl die Staaten weltweit allenfalls leicht die Corona-Beschränkungen lockern und das Ausmaß der Folgeschäden für die Wirtschaft noch nicht abzusehen ist. Viele Börsenanalysten trauen dem Frieden an den Märkten nicht, im Gegenteil, viele dieser „Experten“ halten einen Rückfall an den Aktienmärkten sogar für unvermeidlich. Was sind die Gründe? Erholungen nicht nachhaltig Erholungen nach einem massiven Börsenabsturz sind nicht ungewöhnlich, doch historisch gesehen sind sie nicht nachhaltig. Experten nennen solche Entwicklungen „Bärenmarktrally“, also temporäre Aufwärtsbewegungen innerhalb eines langen Abschwungs. Seit der Jahrtausendwende gab es – abhängig vom jeweiligen Index – zwischen fünf und acht derartiger Phasen. Das Extrembeispiel lieferte der DAX nach dem Terroranschlag 9/11 in 2001 inmitten der Dotcom-Krise. Der DAX stieg nach dem Attentat fast ein halbes Jahr lang um insgesamt mehr als 50% an – stürzte bis Mitte März 2003 dann aber erneut um fast 60% ab. Weltweite Rezession erwartet Für das laufende Jahr erwartet der IWF weltweit einen Wirtschaftseinbruch um drei Prozent. Zum Vergleich: In Zeiten der Finanzkrise schrumpfte die globale Wirtschaft nur um 0,1%, weil Schwellenländer wie China oder Indien wenig betroffen waren. Das Coronavirus aber macht vor keinem Land halt. Für die Wirtschaft in den Industrienationen ist die Lage aber diesmal noch bedrohlicher. Für die USA rechnet der IWF mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5,9%, für den Euro-Raum sind es sogar 7,5%. Auch der beispiellose Absturz des Ölpreises gilt – trotz aller markttechnischen Gründe für den Verfall – als Zeichen dafür, wie sehr die Wirtschaft schon jetzt leidet und noch leiden wird. Zu den Märkten passt das gar nicht. Und so liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) schon wieder über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Aktien sind damit alles andere als günstig. Noch stärker gilt das für die USA, wo das KGV im S&P 500 sogar wieder über 20 liegt. Gewinnprognosen sind zu hoch Das liegt auch daran, dass die Gewinnprognosen für die Unternehmen viel zu hoch sind. Für den DAX zum Beispiel rechnen Analysten im Schnitt mit einem Rückgang des Gewinns um nur gut sechs Prozent in diesem Jahr, bei den Unternehmen im S&P 500 sind es gut neun Prozent. Das scheint zu niedrig angesetzt. Noch unrealistischer erscheinen die Gewinnprognosen für das kommende Jahr. Hier rechnen Broker im Schnitt mit um mehr als 27% steigenden Gewinnen der DAX-Konzerne und einem 18-prozentigen Gewinnanstieg der Konzerne im S&P 500. Weil Unternehmen genauso wie Analysten die tatsächlichen Auswirkungen auf die Gewinne in aller Regel zunächst unterschätzen, kommt die bittere Wahrheit nur häppchenweise im Rahmen eines längeren Anpassungsprozesses ans Tageslicht. Von daher sind größere Krisen in der Regel nicht in wenigen Monaten oder gar Wochen beendet. Längerer Lockdown = längere Krise Das gilt in der aktuellen Lage umso mehr. Wenn die weltweiten Lockdown-Maßnahmen nicht im ersten Halbjahr beendet werden, wird die Weltwirtschaft um weitere drei Prozent schrumpfen, fürchtet der IWF. Und bei einer lahmgelegten Ökonomie bis 2021 werde der BIP-Verlust weitere acht Prozent größer ausfallen. Das Problem: Es ist nicht klar, ob die jetzt eingeleitete vorsichtige Aufhebung der Ausgangs- und Produktionsbeschränkungen tatsächlich der Anfang der Rückkehr zur Normalität ist. Die Maßnahmen werden ja nur deswegen gelockert, weil die Infektionsraten mit dem Coronavirus sinken. Wenn sie nach den Lockerungen erneut anziehen, wird der Lockdown wieder verschärft. Selbst die Wiedereröffnung der Wirtschaft führt nicht sofort wieder auf das Vorkrisenniveau zurück. So zeigt sich z.B. in Asien, dass die Verbraucher trotz Öffnung der Geschäfte nicht einfach wieder zurückkehren. Märkte ignorieren viel Genau diese Unsicherheit ist der Grund dafür, dass die meisten Unternehmen vorsichtig bleiben und keine Gewinnprognosen für das laufende Jahr abgeben. Doch auch das scheinen die Märkte zu ignorieren – ebenso wie die Tatsache, dass allein in Europa rund ein Viertel der Unternehmen bereits Dividendenkürzungen angekündigt hat. Auch kursstützende Aktienrückkäufe, beliebt vor allem in den USA, werden weniger. Dass seit Mitte März in Europa ausgerechnet der besonders gebeutelte Branchenindex für Reisen und Freizeit um mehr als 20% gestiegen ist – und damit fast doppelt so viel wie der breite europäische Aktienindex STOXX Europe 600 – lässt da umso mehr aufhorchen. Ebenso legte die Autobranche mehr zu als der breite Index, obwohl bei den Verbrauchern wohl eher Zurückhaltung bezüglich Neuanschaffungen zu erwarten ist. Ohnehin droht in Branchen, die von Kundenfrequenz abhängig sind, eine Pleitewelle im zweiten Halbjahr. Steigende Insolvenzen sind jedoch auch Gift für die Finanzwirtschaft. Allein in den USA haben die größten Banken im ersten Quartal bereits Rückstellungen in Höhe von 27 Milliarden Dollar für Kreditverluste gebildet. Unsere Einschätzung: Zwar zeigt die Erfahrung, dass die Börsen Erholungen in der Wirtschaft oft vorwegnehmen. Das war auch in der Finanzkrise so. Damals stiegen die Bewertungen aber erst wieder, als die Gewinnschätzungen auch von den Analysten weitgehend nach unten angepasst worden waren. Diese Phase ist bisher noch nicht erreicht. In manchen Sektoren scheint der Optimismus daher etwas überzogen. Den steigenden Kursen unbedacht hinterherzulaufen nach dem Motto „Alles wird gut“ macht keinen Sinn, das Chancen-Risiko-Verhältnis ist nicht mehr optimal.   ETFs: Doppelte Kraft voraus Manche Anleger geben sich nicht mit dem Einfachen zufrieden, sondern suchen nach Finanzprodukten, die ihre Renditemöglichkeiten bei gleichem Einsatz vervielfachen. Derartige Produkte arbeiten mit einem Hebel und lassen den Anleger zweifach, dreifach oder sogar noch stärker an der ursprünglichen Kursentwicklung teilhaben. Der Hebel sorgt dafür, dass die Kursausschläge sich verstärken - sei es nun aufwärts oder aber abwärts. Auf Englisch werden diese Produkte häufig mit dem Zusatz „leveraged“ oder kurz „lev“ versehen, der auf die Hebelwirkung hinweist. Diesen Zusatz trägt beispielsweise der LevDAX, der bekannteste gehebelte Aktienindex in Deutschland. Er vollzieht die Bewegung des DAX mit zweifacher Intensität nach. Geht der deutsche Leitindex um ein Prozent nach oben, dann steigt der LevDAX um zwei Prozent - und umgekehrt. Unter vielen verschiedenen Instrumenten, gehebelt an der Börse zu spekulieren, sind für Privatanleger vor allem ETFs geeignet. Sie verfügen über einen eingebauten Schutz, der zwar nicht vor heftigen Kurzbewegungen bewahrt, aber zumindest das Emittentenrisiko eliminiert: ETFs sind Sondervermögen, genauso wie klassische Investmentfonds. Das heißt, dass das von Anlegern eingezahlte Geld vom Kapital des Produktanbieters getrennt ist. Im Falle einer Pleite des ETF-Anbieters fällt es nicht in die Insolvenzmasse, sondern wird ausgesondert. Dass sich ETFs mit Hebelwirkung vor allem an Privatanleger wenden, zeigt auch die Vorgabe der EU-Richtlinie UCITS: ETFs dürfen maximal mit dem Faktor zwei gehebelt sein. Extremere Multiplikatoren sind anderen Wertpapierprodukten vorbehalten. Diese Beschränkung dient ebenfalls dem Schutz der Anleger. Denn Hebelprodukte sind eine knifflige Angelegenheit. Noch leicht nachzuvollziehen ist, dass ein Investment mit dem Faktor zwei doppelte Chancen ermöglicht und doppelte Risiken birgt. Doch darüber hinaus sorgt die Konstruktion von Hebelprodukten dafür, dass sich mittel- bis langfristig deutliche Verzerrungen ergeben können. Grund dafür ist, dass die Verdoppelung der Performance auf täglicher Basis erfolgt. Für einzelne Tage entspricht die Hebelwirkung ziemlich exakt dem angegebenen Multiplikator. Betrachtet man jedoch die Gesamtrendite über Monate oder gar Jahre, wird dieser Faktor nicht eingehalten. Eine hundertprozentige Übereinstimmung über längere Zeiträume gibt es nicht. Ein Beispiel: Angenommen, der DAX steigt an einem Tag um 2% und fällt am nächsten um 2%. Das ganze wiederholt sich zehnmal. Nach 20 Tagen mit diesem Auf und Ab steht der deutsche Leitindex bei 99,6% seines Ausgangswert, ein Minus von 0,4%. Der LevDAX hingegen steigt und fällt täglich abwechselnd um 4%. Auch hier wiederholt sich die Prozedur zehnmal. Der gehebelte Index notiert dann am Tag 20 bei 98,4%. Das entspricht einem Verlust von 1,6%. Obwohl der LevDAX nur zweifach gehebelt ist, hat er sich im beschriebenen Szenario um den Faktor vier verändert. Über längere Zeiträume können die beiden Indizes so immer weiter auseinanderdriften. Aus diesem Grund sind ETFs mit Hebel nur für kürzere Zeiträume empfehlenswert. Spekulieren lässt sich mit Ihnen gut, und in einem Umfeld deutlich anziehender Kurse versprechen sie einen kräftigen Renditekick. Für die langfristige Geldanlage sind sie jedoch nicht geeignet. Auch unter Kostenaspekten sollten Hebelprodukte nicht dauerhaft eingesetzt werden. Entsprechende Aktien-ETFs verlangen 0,30-0,75% pro Jahr als Verwaltungsgebühr. Damit sind sie rund dreimal so teuer wie ihre herkömmlichen Pendants. Außerdem erfordern Hebelprodukte eine intensivere Betreuung als die meisten anderen Wertpapiere. Wegen ihrer starken Kursbewegungen ist es angebracht, ihre Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Wichtig ist zudem, dass Investoren planvoll mit den Produkten umgehen. Das Anlageziel sollte klar sein und eine bestimmte, zeitlich begrenzte Idee vorhanden sein. Unser Rat: Anleger, die ihr Geld gehebelt anlegen, müssen sich der Gefahren bewusst sein: wer mit Multiplikator auf steigende Kurse setzt, wird empfindlich getroffen, wenn die Märkte einbrechen. Hebelprodukte richten sich an sehr risikobewusste, aufgeklärte und eher kurzfristig orientierte Anleger.

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Börse aktuell: Verhasste Kursrallye

Verfasst am 18.06.2020

Sehr geehrter Anleger, man traut seinen Augen nicht, aber der amerikanische Technologieindex NASDAQ hat tatsächlich ein neues Allzeit-Hoch erreicht. Doch statt allgemeiner Freude mutiert die aktuelle Kursrallye zur meistgehassten Hausse in der Börsengeschichte. Lesen Sie außerdem, wie auch Gold von der Corona-Krise profitiert und warum man Lebensversicherungspolicen getrost links liegen lassen kann. Corona hat die Welt und die Börse im Sturm in Beschlag genommen. Doch so schnell wie sich die Viruswelle aufbaute, so schnell scheint der Spuk auch schon wieder vorbei zu sein - zumindest wenn man die Börse als Maßstab nimmt. Sollten die Ignoranten der Virus-Epidemie, allen voran Mr. Trump, der es als vorübergehendes Phänomen einstuft und möglichst rasch zurück zur Normalität will, etwa Recht bekommen!? Mediziner sind skeptisch. Eine weitere Viruswelle wird als wahrscheinlich angesehen, wenn die Schutzmaßnahmen einfach aufgehoben würden. Die Börse ist da zuversichtlicher. Konnte man den Anstieg der Aktienkurse im April noch als überfällige Zwischenerholung des heftigen Kursabsturzes im März abtun, muss man nun nach weiteren massiven Kurssteigerungen konstatieren, dass wir mitten in einer V-förmigen Erholung zurück zu den alten Höchstständen im Februar sind. Im US-Technologieindex NASDAQ ist das V sogar schon vollendet. Der Index markiert bereits neue Allzeit-Hochs, nachdem viele der Techwerte von der Krise sogar profitierten. Die Kurshausse wird genährt von der allgemeinen Skepsis der Marktteilnehmer, dass es das schon gewesen sein soll. Die Skepsis scheint durchaus begründet, denn die Hoffnung, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen des temporären Shutdowns in Grenzen halten werden, muss sich erst noch der Realität stellen: nur wenige Branchen oder Firmen sind praktisch gar nicht von den Schutzmaßnahmen gegen das Virus betroffen oder gehen sogar als Gewinner aus der Krise hervor. Die meisten Branchen spüren sehr wohl die Folgen oder können die weiteren Konsequenzen noch nicht abschätzen. Der Hauptknackpunkt bleibt in vielen Bereichen das Verhalten der Verbraucher: Werden die Konsumenten zu ihrem alten Verhalten zurückkehren? Und zwar in der Intensität wie vorher? Wird es Nachholeffekte geben oder einfach nur unwiderrufliche sunk cost durch den Shutdown? Für Gastronomie, Tourismus und Verkehr sieht es schlecht aus. Der industrielle Sektor sucht sein Heil in Kurzarbeit und Kosteneinsparungen. Wo sehen die Optimisten den Aufschwung, der die aktuellen Kurssteigerungen sowie die Aktienbewertungen, die mittlerweile sogar das Vor-Krisen-Niveau überschritten haben, rechtfertigen würde!? Viele Marktteilnehmer trauen daher der neuen Euphorie am Markt nicht und setzen auf einen weiteren Rückschlag, ausgelöst von einer zweiten Virus-Welle. Dass die Aktienkurse stattdessen in Riesenschritten nach Norden streben, wird wohl als die meistgehasste Hausse in die Börsengeschichte eingehen. Nicht mal die verheerenden Arbeitslosenzahlen aus den USA konnten den Markt wieder drücken. Im Gegenteil: Schlechte Nachrichten führten absurderweise sogar zu noch höheren Kursen. Der Drang der Kurse zu den alten Höchstständen wird zunehmend schmerzhaft für Anleger, die weiterhin auf fallende Kurse warten. Doch so schnell wollen sie sich nicht geschlagen geben, und dies führt zu viel Volatilität am Aktienmarkt, vor allem dann wenn zum Beispiel ein Notenbanker nicht genau das sagt, was der Markt hören will. Verantwortlich für die Kursrallye ist nicht ein wirtschaftliches Wiederaufbäumen, sondern die freie Liquidität, die durch die Notmaßnahmen der Notenbanken und billionenschweren Hilfs- und Konjunkturprogramme der Regierungen in den Markt gepumpt werden. Man kann nur hoffen, dass die Geldschwemme nicht einfach nur am Kapitalmarkt ankommt, sondern vor allem auch an den Stellen, wo es notwendig ist. Die Auswirkung mangelnder Anlagealternativen im Niedrigzinsumfeld kennt man bereits von den Preissteigerungen der letzten Jahre im Immobilienmarkt. Man muss fest davon ausgehen, dass ähnliche Preisverwerfungen am Aktienmarkt drohen, solange sich die Geldschleusen immer weiter öffnen. Unter Börsianern hat sich der Slogan „Never fight the FED“ eingebürgert, will heißen: sich bloß nicht gegen die Notenbankpolitik stellen, egal was die Fundamentaldaten sagen. Es muss allen Anlegern, die von ihren Positionen auf fallende Kurse nicht ablassen wollen, eine Warnung sein. Edelmetalle: Gold in Bestform Gold stieg im April auf den höchsten Stand seit fast acht Jahren. Die Virus-Pandemie treibt den Preis und hemmt ihn gleichzeitig. Das gelbe Metall ist ein Klassiker zur Vorsorge für Krisenzeiten. Kein Wunder also, dass im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus die Nachfrage der Investoren nach Gold hoch ging. Das zeigt sich insbesondere in den Beständen der Gold-Indexfonds (ETFs). Diese folgen dem Preis des Edelmetalls und sind meist mit Barren hinterlegt, um die Ansprüche der Anteilseigner zu sichern. Allein seit Anfang März wuchs der Bestand der von der Nachrichtenagentur Bloomberg verfolgten Gold-ETFs um 53 Tonnen. Ihr Gesamtvolumen bewegt sich mit 2700 Tonnen auf Rekordniveau. Seit Jahresbeginn ist in die Produkte bereits mehr als die Hälfte der Summe geflossen, die im gesamten Jahr 2019 auflief. Die hohe Nachfrage der langfristig orientierten Anleger ist ein entscheidender Treiber für den Goldpreis. Und so übertraf der Preis pro Feinunze (31,1 Gramm) erstmals seit Ende 2012 wieder die Marke von 1.700 USD und hat sich nun in dieser Preisregion zunächst mal etabliert. Der Goldpreis profitiert in der Virus-Zeit von der Suche der Investoren nach sicheren Häfen, aber auch von der Geldpolitik. Um die Wirtschaft zu stützen, haben die Notenbanken weltweit damit begonnen, ihre Leitzinsen zu senken, allen voran die US Notenbank. Niedrige Zinsen beflügeln traditionell den Goldpreis, denn im direkten Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren sinken die Opportunitätskosten: Das Edelmetall zahlt schließlich keine Zinsen, dieser Nachteil fällt somit geringer aus. In Zeiten von Negativzinsen wird es sogar zu einem Vorteil, denn Gold kostet auch keine Zinsen. Das anhaltende Niedrigzinsniveau gilt als einer der Haupttreiber der Goldhausse, die den Preis schon 2019 um fast 19% steigen ließ. Die Virus-Krise bremst den Goldpreis allerdings auch. Insbesondere in Asien ist die Nachfrage nach physischem Gold eingebrochen. Viele Juweliere hatten ihre Geschäfte geschlossen, potentielle Gold-Käufer haben aus Angst vor Ansteckung ihre Wohnung nicht verlassen. So sind die indischen Goldimporte im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 44% zurückgegangen, nachdem sie sich bereits im Januar mehr als halbiert hatten. China und Indien machen zusammen über die Hälfte der weltweiten Gold-Nachfrage aus. Der hohe Goldpreis in lokaler Währung verstärkt ebenfalls die Zurückhaltung der Käufer. Weiterhin dürfte der Einbruch der Aktienmärkte im Februar/März viele Anleger unter Druck gesetzt und damit zu Zwangsverkäufen bei Gold geführt haben, um anderweitige Verluste auszugleichen oder um Nachschusspflichten nachzukommen. Unsere Einschätzung: Wer sich in Gold engagieren möchte, sollte sich bewusst sein, dass das Edelmetall aktuell hohen Schwankungen unterliegt. Seine Volatilität stieg in den vergangenen Tagen auf den höchsten Stand seit vier Jahren. Im Zuge des Börsen-Crashs geriet an einigen Tagen auch Gold unter die Räder und verlor deutlich. Die negative Korrelation, die häufig zwischen Aktien und Gold besteht, galt in den vergangenen Wochen nur eingeschränkt. Bestes Beispiel: als die EZB-Chefin Christine Lagarde kürzlich über die Maßnahmen der europäischen Zentralbank informierte, brachen Aktien und Gold gleichzeitig ein. Die Anleger hatten von den europäischen Währungshütern offensichtlich kraftvollere Maßnahmen erwartet, um die Auswirkung der Pandemie auf die Wirtschaft abzumildern. Momentan reagiert selbst Gold nervös auf Marktereignisse. Gold und Platin sind dauerhafter Bestandteil in unserem ETF-Anlagekonzept SOKRATES(MOAR), das aus vier langfristig unkorrelierten Anlageklassen zusammengesetzt ist. Lebensversicherungen: nach Kosten garantiert negativ Die Lust auf private Vorsorge fürs Alter dürfte den meisten Deutschen angesichts der mickrigen Anlagezinsen vergangen sein. Gerade das klassische Altersvorsorgeprodukt – die Lebensversicherung – hat in ihrer traditionellen Form mit garantierter Mindestverzinsung kaum mehr eine Existenzberechtigung. Der im Volksmund bekannte „Garantiezins“ ist eigentlich als Obergrenze für die Versicherer gedacht, damit sie Kunden nicht mit allzu kühnen Zinsversprechen ködern. Der Gesetzgeber hat diesen Zinssatz seit 2017 bei nur noch 0,90% p.a. fixiert. Der Garantiezins gilt jedoch nur für den Sparanteil der eingezahlten Beiträge. Denn von den Beiträgen werden noch Verwaltungskosten abgezogen. Nach einer Berechnung des Analysehauses Morgen & Morgen fielen bei Policen mit einer Laufzeit von zehn Jahren im Schnitt rund zwei Prozent für die Verwaltung und fast fünf Prozent für den Vertrieb an. Das führt unweigerlich zu negativen Renditen für den Sparer, vor allem bei kürzerer Policenlaufzeit: Im Normalfall dürfte bei diesen klassischen Policen die garantierte Leistung geringer sein als das, was der Kunde einzahlt. Zum Glück gibt es ja noch die Überschussbeteiligung, könnte man denken. Doch auch da keine Entwarnung: Die Versicherer unterliegen dem gleichen Anlagedilemma im Nullzinsumfeld wie jeder andere Anleger auch. Seit Jahren sinkt daher die laufende Verzinsung in den Policen. Diese beinhaltet neben den Garantien auch die Überschüsse, die ein Versicherer anderweitig erzielt, und stellen einen wichtigen Teil für die Rendite der klassischen Policen dar. Im Marktdurchschnitt werden aber hier nicht mal mehr 3% p.a. erreicht – zu wenig, um die oben genannten Kosten wesentlich überkompensieren zu können. Herbe Enttäuschungen gab es da schon bei vielen Anlegern, die bei Auszahlung feststellen mussten, dass die ursprünglichen Renditeprognosen weit verfehlt wurden. In Zeiten des allgemeinen Zinsschwundes sind die Versicherer deshalb dazu übergegangen, neue Policen mit alternativen Garantiesystemen anzubieten und vermehrt Fondspolicen mit höherer Aktienquote zu propagieren, bei denen der Sparer bezüglich der erzielbaren Rendite selbst ins Risiko geht. Die Variantenvielfalt an neuen Versicherungsprodukten macht einen direkten Vergleich schwierig. Sicher ist jedoch, dass relativ teure Fondspolicenprodukte in Wettbewerb treten gegen sehr kostengünstige Indexfonds (ETFs), die sich jeder Anleger selbst zusammenstellen kann. Der dauerhafte Nutzen aus Renditegesichtspunkten bleibt somit fraglich. Unser Rat: Sofern man mit der Police nicht gewisse schenkungs- und erbschaftsteuerliche Gestaltungsmöglichkeiten ausnutzen will, lohnt sich der Abschluss einer Lebensversicherungspolice als langfristige Kapitalanlage in der Regel nicht. Da sind Direktinvestments in Aktien, Fonds und ETFs wesentlich interessanter und als Sparplan heutzutage ebenso einfach umsetzbar.

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Börse aktuell: Krise schon vorbei?

Verfasst am 14.05.2020

Sehr geehrter Anleger, die Kurserholung in den letzten Wochen war ordentlich. Ist die Krise an der Börse schon vorbei? Lesen Sie außerdem, warum Schnäppchenjäger bei Aktien aktuell vorsichtig sein sollten und welche wirtschaftlichen Szenarien nach der Corona-Krise zur Debatte stehen. Nach mehrwöchigem Shut-Down kehrt langsam Leben in Europas Städte zurück. Bei einigen hat sich in der Heim-Quarantäne anscheinend so viel Frust aufgestaut, dass sie nun auf die Barrikaden gehen, sogar gegen jegliche Fortführung der Schutzmaßnahmen. Besonders kritisch stellt sich dies in den USA dar, einem Land, das insgesamt am stärksten, in den einzelnen Bundesstaaten jedoch noch sehr unterschiedlich von dem Virus betroffen ist. Doch die Zustände des Gesundheitswesens in New York lassen nichts Gutes für den Rest des Landes erahnen, wenn es zu einer zweiten Viruswelle kommen sollte. Und da mag das Weiße Haus noch so sehr mit Ignoranz glänzen. Wenn man sich die jüngste Entwicklung der amerikanischen Aktienindizes betrachtet, die seit dem Tief im März deutlich zugelegt haben, scheint auch die Börse das Thema „Corona“ zunehmend abzuhaken. Gerade der Technologieindex NASDAQ befindet sich nur noch wenige Punkte von seinem All-Zeit-Hoch entfernt – getragen von Aktien wie Amazon und Microsoft, die eher als Gewinner aus der Krise herausgehen werden. Wie bei jeder Krise tritt nach einer gewissen Zeit ein Gewöhnungseffekt ein, vor allem wenn man täglich mit den Krisen-Nachrichten bombardiert wird. Erste Erfolge in der Eindämmung und der Wunsch, zu einem normalen Leben zurückzukehren, lässt das Ansteckungsrisiko weniger immanent erscheinen. Doch die Situation ist trügerisch. Die Börse setzt viel Hoffnung darauf, dass nach der Corona-Zeit der große Erleichterungsboom eintritt. Gerade im Einzelhandel, in der Gastronomie und im Tourismus kann der verlorene Umsatz nicht einfach nachgeholt werden. Hier sind Verluste definitiv. Einige Unternehmen und Arbeitsplätze werden auf der Strecke bleiben. In der produzierenden Industrie ist die Lage noch gar nicht absehbar. Für US-Investoren ist das aber offensichtlich kein Grund, sich bei Aktienkäufen zurückzuhalten. Man verlässt sich auf das Billionen-Programm der US-Notenbank FED, die – wie auch die Europäer – massiv Gelder über die Wirtschaft auskippt. Nach dem Motto „Never fight the FED“ ist es allgemeiner Konsens, dass die Börse zwangsläufig steigen muss, so lange die Notenbanken den Wirtschaftskreislauf mit Geld vollpumpen. Problem: Die Aktienbewertungen springen nach oben. Erinnern wir uns: 2019 war ein fulminantes Hausse-Jahr. Die Unternehmensgewinne wuchsen, schon damals unterstützt von der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken, und die Aussichten sahen trotz internationaler Handelsstreitigkeiten eigentlich ganz rosig aus. Allerdings stiegen die Aktienkurse damals schon schneller als es die Fundamentaldaten der Unternehmen rechtfertigen würden. Aktien wurden also sukzessive teurer. Dann kam Corona und die Aktienkurse verfielen zunächst dramatisch. Vielleicht war der Absturz in seiner Heftigkeit etwas übertrieben. Aber wenn jetzt wieder die alten Höchststände angelaufen werden, werden die Bewertungsniveaus von vor der Krise ja sogar noch übertroffen. Wie lässt sich das vereinbaren damit, dass sowohl in Europa als auch in den USA zumindest vorübergehend eine Rezession droht und die Unternehmensaussichten gar nicht mehr so rosig aussehen!? Es gibt zudem einen entscheidenden Unterschied zur Finanzkrise 2008: Damals taumelten in erster Linie die Banken, jetzt taumeln alle Unternehmen - und damit die gesamte Realwirtschaft. Es wird viel diskutiert, ob wir die Aktienmarkttiefs bereits gesehen haben. Nach der Erfahrung aus der Finanzkrise mit einer Kursentwicklung, die kaskadenförmig abwärts verlief, muss man da skeptisch bleiben. Aktien: Der schöne Schein kann trügen Der deutsche Leitindex DAX ist in der Corona-Krise tief gefallen. 40% hat der Index in nur einem Monat verloren. Trotzdem ist er nicht preiswert. Denn die Prognosen für die Unternehmensgewinne in diesem Jahr sind noch viel zu hoch. Das sollten Schnäppchenjäger beachten, wenn sie nun nach dem Kursverfall nach günstigen Einstiegsgelegenheiten Ausschau halten. So suggerieren zumindest die Kurse, die auf lange nicht mehr gesehene Niveaus zurückgefallen sind, und auch ein oberflächlicher Blick auf die Aktien-Bewertung der Unternehmen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) setzt die aktuellen Kurse in Relation zum Unternehmensgewinn pro Aktie und gilt als eine der wichtigsten Kennzahlen an den Märkten. Wer Ende März Aktien im DAX kaufte, bezahlte die Unternehmen - heruntergerechnet auf jede einzelne Aktie - im Schnitt nur noch mit dem zehnfachen Jahresnettogewinn. Grundlage dafür sind jeweils die Gewinne im laufenden Geschäftsjahr. Das wäre gut 25% preiswerter als im historischen Mittel. Das Problem: Die Annahmen beruhen auf falschen Voraussetzungen. Das Argument, dass Aktien aufgrund des Kursverfalls günstig geworden sind, ist angesichts der noch immer unwägbaren wirtschaftlichen Auswirkungen durch Corona sehr fragwürdig. Denn das KGV, wie es bei vielen Finanzdatenanbietern ausgewiesen ist, beruht auf Erwartungen und Schätzungen von Analysten, wonach die Unternehmensgewinne in diesem Jahr um durchschnittlich 12-15% gegenüber dem Vorjahr steigen werden. Noch immer haben die meisten Analysten ihre Gewinnschätzungen angesichts der Corona-Pandemie nicht nach unten angepasst. Schon zur Jahreswende gab es die Annahme, dass die Gewinne um genau diese 12-15% steigen werden. Der Grund für das Beharrungsvermögen der Analysten ist keineswegs ihre Trägheit oder die Tätigkeit im Home Office, auch nicht ein Übermaß an Optimismus im Sinne, dass sich die Konjunktur nach dem jetzigen Stillstand wieder sehr schnell erholen wird. Vielmehr ist es momentan gar nicht möglich, auch nur halbwegs zuverlässig Gewinne zu prognostizieren. Viele Unternehmen, die mehr oder minder von den staatlich verordneten Shut-Down-Maßnahmen betroffen sind, verweisen darauf, dass es momentan nicht abzuschätzen sei, wie lange die Schutzmaßnahmen anhielten und welche Auswirkungen diese letztlich auf das eigene Unternehmen oder eventuelle Zulieferer haben könnten. Vor diesem Hintergrund wagen die meisten Firmenchefs noch keinen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2020. Und so verharren die Schätzungen bei den Unternehmen - und auch bei den allermeisten Analysten - zunächst auf ihrem alten Niveau aus der Zeit vor der Corona-Pandemie. Wie kann man sich behelfen? Zum Beispiel mit Wenn-dann-Szenarien: Wenn man beispielweise davon ausgeht, dass die Gewinne der Dax-Konzerne im laufenden Jahr um 10-20% gegenüber Vorjahr einbrechen werden, dann wäre der DAX nicht mehr niedrig, sondern mit einem KGV von 14 bis 15 moderat bis hoch bewertet. Aktien würden dann gar nicht mehr so billig aussehen, obwohl sich ihre Kurse fast halbiert haben. Es würde den DAX aber wohl oberhalb von 8.000 Punkten halten. Dieses Niveau entspricht auch etwa dem aktuellen Buchwert-Niveau der DAX-Titel. In der langen Börsenhistorie stoppte ein Börsenverfall spätestens dann, wenn die Unternehmen mit einem Buchwert von knapp unter eins bewertet waren. Sollte sich die Situation jedoch verschärfen, dass Unternehmen ihre Produktion nicht zügig wieder hochfahren können (man denke z.B. nur an Fluglinien und Flughäfen), dürften solche Schätzungen zu optimistisch sein. Bei einem Gewinnrückgang um 30% und mehr fiele der DAX Richtung 7.000 Punkte. Solche Einbrüche der Unternehmensgewinne sind leider gar nicht so selten, wenn man große Rezessionen der Vergangenheit untersucht. Zum Vergleich: In der Finanzkrise 2008/09 sackten die Gewinne der 30 Dax-Konzerne um durchschnittlich 72% weg. Unser Rat: Die Suche nach dem optimalen Einstiegszeitpunkt ist ja immer so eine Sache. Auf lange Sicht ist das aktuelle Kursniveau zumindest attraktiver als noch vor einigen Monaten. Ein paar Werte einzusammeln, aber dennoch Pulver trocken zu halten, ist daher sicher eine gute Idee. Voraussichtlich kommen noch ein paar schlechte Nachrichten, die die Aktienmärkte in den kommenden Wochen nochmals zurücksetzen lassen. Wer jedoch immer nur noch auf ein neues Tief wartet, verpasst früher oder später den Anschluss. Ausblick: Drei Szenarien für den weiteren Verlauf der Krise Gefühlt sind wir noch mittendrin in der Corona-Misere, aber die Börsenauguren machen sich jetzt schon Gedanken über das Danach - will heißen, wie es mit der Wirtschaft nach dem Corona-Crash weitergeht. Drei Szenarien stehen im Raum - es sind die gleichen, die auch bei der Finanzkrise zur Debatte standen. Wie bekannt, war die Finanzkrise zwar dramatisch, die Kurse erreichten aber schon zwei Jahre später fast wieder ihr Ausgangsniveau, und es folgte ein jahrelanger Kursaufschwung. Wird es nach Corona ähnlich sein? V-Szenario Im günstigen Fall hinterlässt das Virus ökonomisch betrachtet überschaubare Schäden: viele Leute verzichten auf Urlaubsreisen oder Städtebesuche, größere Anschaffungen werden verschoben. Etliche Angestellte arbeiten über den Computer von zu Hause aus. Vereinzelt gibt es Engpässe in der Produktion, weil die internationale Logistikkette stockt. Die meisten Menschen aber werden sich schnell an die neue Realität gewöhnen. Letztlich verbreitet das Coronavirus keine apokalyptische Seuche, sondern eine Art Grippe. In diesem Szenario wird die Krise nur eine Delle in der Weltwirtschaft hinterlassen. Ein schlechtes Quartal, vielleicht zwei. Die meisten Unternehmen würden das verkraften. Notenbanken und Staaten stehen bereit, um in Notfällen auszuhelfen. Ein Teil der Umsatzausfälle kann über Nachholeffekte in späteren Quartalen der Wirtschaft einen Schub geben. Der Schaden würde damit am Jahresende kleiner sein als befürchtet. Selbst viele Unternehmen, die von der Krise hart getroffen werden, könnten auf längere Sicht profitieren: wenn etwa finanzschwache Airlines auf der Strecke bleiben, stärkt das die Marktposition von Branchenriesen wie Lufthansa. Im Endeffekt könnte rasch wieder das Vor-Krisen-Niveau erreicht werden. Börsianer schauen ohnehin nach vorn: im Jahr 2009, als die Finanzkrise die Welt erschütterte, drehten die Kurse nach oben, als die Realwirtschaft noch tief im Schlamassel steckte. Auch jetzt haben die Aktienmärkte ein negatives Szenario vorweggenommen: der Corona-Crash hat die Kurse ungewöhnlich schnell nach unten getrieben. Sollte die Krise nicht doch noch außer Kontrolle geraten, könnte das Schlimmste also schon in den Kursen stecken. Hartgesottenen Anlegern bietet der Corona-Crash somit die Chance, Aktien starker Konzerne günstig einzukaufen. Das langfristige Argument für Aktien hat durch die Maßnahmen zur Krisenbekämpfung sogar an Gewicht gewonnen: die erneute Leitzinssenkung in den USA verstärkt den Renditenotstand bei klassischen defensiven Investments. Vielleicht spiegelt sich dies auch bereits in der aktuell kräftigen Erholungsrallye der US-Indizes wider. L-Szenario In diesem Fall hieße es Luft anhalten: im düstersten Szenario sorgt eine unkontrollierte globale Ausbreitung des Corona-Virus für ein Absturz der Wirtschaft. Es kommt zu einer schweren Rezession, die länger als zwei oder drei Quartale anhält. Insbesondere in Europa wäre dies mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung verbunden, der dem der Finanzkrise von 2008/09 ähnelt. In dem Szenario geben die Behörden angesichts von Erfolglosigkeit den Kampf gegen die Ausbreitung des Virus mithilfe von Quarantäne-Maßnahmen auf und beschränken sich auf die Versorgung von Schwerstkranken. Die Wirtschaft würde aufgrund hoher Arbeitsausfälle, vielfach unterbrochener Produktionsketten und einer darniederliegenden Nachfrage schwer getroffen und in eine lang anhaltende Stagnation fallen. Zinssenkungen und weitere geldpolitische Maßnahmen der Notenbank greifen in diesem Umfeld nicht. Aus der Wirtschaftskrise könnte eine neue Finanzkrise entstehen. Im schlimmsten Fall gehen hoch verschuldete Unternehmen reihenweise in die Pleite und Kredite fallen aus. Das wiederum würde die Banken treffen, etliche große Institute müssten erneut vom Steuerzahler gerettet werden. U-Szenario Die dritte Möglichkeit, wie sich die Corona Krise in der globalen Wirtschaft niederschlagen könnte, ist ein U-förmiger Konjunkturverlauf. In diesem Szenario realisieren die Kapitalmärkte allmählich, dass der Abschwung doch länger dauern wird. Sprich: eine wirtschaftliche Abschwächung oder gar Kontraktion über mehrere Quartale wäre in diesem Fall realistisch. Der Fall könnte eintreten, wenn die Verbreitung des Erregers in den Industriestaaten und in den großen Schwellenländern nicht gestoppt werden kann - was angesichts des Verlaufs der SARS-Epidemie durchaus möglich scheint. Die notwendigen Maßnahmen der Behörden würden das öffentliche Leben stark behindern und die Wirtschaft bremsen. Bereits jetzt ist die Tourismusbranche stark betroffen. In vielen Ländern sind Großereignisse und Messen abgesagt oder verschoben worden. Zusätzlich könnten auch öffentliche Verkehrsmittel stillgelegt werden. In immer mehr Büros und Betrieben könnte die Arbeit ruhen. Ebenfalls möglich: in China spannt sich die Lage erneut an. Die Menschen kehren zu einer gewissen Normalität zurück, die strengen Regeln und Kontrollen werden langsam aufgeweicht. Das Virus aber ist noch nicht besiegt, es kommt zu einer zweiten Ansteckungswelle und Gegenmaßnahmen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen ziehen sich bis weit ins zweite Quartal hinein. Das alles hinterlässt zunehmend Bremsspuren in der Weltkonjunktur. China trägt mittlerweile fast 20% zum globalen Wachstum bei, ist größter Exporteur der Welt und zweitgrößter Importeur. Diese Abhängigkeit hat nun spürbare Folgen für viele andere Länder. Mehr und mehr Lieferketten würden unterbrochen. Und die große Unsicherheit würde dafür sorgen, dass Unternehmen wie Konsumenten alle nicht dringenden Ausgaben aufschieben. Damit würden viele Länder in eine Rezession rutschen. Die Weltwirtschaft, die bereits durch Handelsstreitigkeiten und politische Spannungen geschwächt ist, würde durch das Virus einen weiteren Schlag erhalten. Unsere Einschätzung: Der aktuellen Kursentwicklung an den Börsen zufolge setzen die Amerikaner unverdrossen auf eine V-Umkehr und visieren bereits wieder die alten Höchststände an. In Europa sind die Börsianer zurückhaltender. Hier wird eher das U-Szenario gespielt. Das L-Szenario wünscht sich niemand.  

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Börse aktuell: Corona-Krise 2.0

Verfasst am 17.04.2020

Sehr geehrter Anleger, nach dem desaströsen März atmet die Börse zur Zeit etwas durch. Doch vom „Normalzustand“ sind wir noch Monate entfernt. Lesen Sie außerdem welche Auswirkungen Corona auf die Dividenden-Saison haben könnte, und wie sich die aktuelle Aktienmarkt-Krise in frühere Crashs einreiht. Das grassierende Coronavirus hat die Welt zum Stillstand gebracht. Auch an den Kapitalmärkten schien zeitweise ein Shutdown nahe. Die Aktienmärkte verzeichneten die heftigsten Tagesverluste seit der Finanzkrise vor über zehn Jahren. Die Börse war im Panik-Modus - gemessen am Volatilitätsindex VDAX, der in nie gekannte Höhen schoss. Doch seit Ende März fangen sich die Kurse etwas, immerhin verbessert sich die Viruslage leicht. Doch gerade in den USA scheint das medizinische Chaos noch größer als in Europa und die US-Arbeitslosenzahlen sind geradezu explodiert - von quasi Vollbeschäftigung auf über 20 Millionen verlorene Jobs. Die Kursreaktion auf die Arbeitsmarktzahlen war überraschenderweise dennoch positiv. Ist das wieder die gleiche Ignoranz, die der Markt bereits Anfang des Jahres an den Tag gelegt hat, als das Virus zunächst nur in China wütete und hier die Kurse noch auf neue Höchststände stiegen!? Die Börse vertraut wohl darauf, dass die wirtschaftliche Vollbremsung nur vorübergehend bleibt und zügig wieder ein gewisser „Normalzustand“ einkehrt. Börsianer sind Optimisten und Menschen leben von Hoffnung und Perspektiven. Doch es wird immer deutlicher, dass die Rückkehr zum „Normalzustand“ sehr stark von einem Impfstoff abhängt. Da mag Mr. Trump noch so sehr für sich in Anspruch nehmen, die Corona-Krise nach seinem Gutdünken für beendet deklarieren zu können. Immerhin sind nicht alle Unternehmen und Branchen gleichermaßen von der Krise betroffen. Vor allem Technologiewerte haben seit den Tiefständen Mitte März schon wieder kräftig zugelegt. Sie zählen sogar eher zu den Gewinnern der Krise. Einer der Hauptprofiteure - Amazon – hat sogar neue All-Time-Highs erklommen. Sicherlich ist der Optimismus der Börse, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen in Grenzen halten werden oder zumindest im nächsten Jahr eine umso stärkere Erholung folgt, auch der Hilfsgelder-Schwemme geschuldet, die momentan flächendeckend in der westlichen Welt ausgekippt wird. Mit dem Zählen der Hilfsprogramme seitens der Politik und der Notenbanken kommt man schon nicht mehr hinterher. Schwindelerregende Summen wurden da aufgerufen. Man wundert sich ein wenig, wo diese Töpfe vorher waren, als es zumindest in Deutschland/Europa immer nur ums Sparen und tendenziell höhere Steuern ging!? Aktien: Dividenden-Saison durch Corona gefährdet Das Coronavirus hat zur allgemeinen Kontaktsperre und zur Absage sämtlicher Präsenzveranstaltungen geführt. Das zweite Quartal ist normalerweise Hochsaison für Aktionärsversammlungen und auch hier drohen zumindest deutliche zeitliche Verschiebungen, mit gravierenden Folgen für Anteilseigner: Sie müssten dann wohl zunächst erst mal auf ihre gewohnte Dividenden-Ausschüttung verzichten. Zwar gibt es grundsätzlich die Möglichkeit – je nach Größe des Unternehmens – auf eine Telefonkonferenz oder auf Videoübertragung/Streaming auszuweichen, aber auch das will bei Großveranstaltungen wie bei Deutsche Telekom oder Daimler mit immerhin 2500 bzw. 5000 Teilnehmern erst einmal organisiert sein. Muss ein Unternehmen eine Hauptversammlung (HV) wegen Corona absagen, beispielsweise weil es entsprechende Auflagen von den Gesundheitsbehörden gibt, dann können auch wichtige Beschlüsse nicht gefasst werden, etwa zur Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, aber auch zur Dividende. Eine fehlende Entlastung der Gremien wäre dabei wohl noch kein Drama, weil sie ohnehin keine rechtlich bindenden Folgen hat. Stehen dagegen Wechsel im Vorstand oder Aufsichtsrat an, können Sie notfalls per Gerichtsbeschluss umbesetzt werden. Problematischer wird es schon beim Dividendenbeschluss. Muss die HV zunächst abgesagt werden, können die Unternehmen die Veranstaltung bis zu acht Monate nach Beginn des neuen Geschäftsjahres verschieben. Deutsche Telekom und Daimler haben bereits eine Verschiebung angekündigt. Selbst eine Überschreitung der acht Monatsfristen gilt als möglich. Ein Beschluss zur Dividende bliebe damit aber aus. Reine Online-Beschlüsse, also ohne Präsenz-Hauptversammlung, sind in Deutschland nicht möglich. Damit unterbliebe auch die Auszahlung der Dividende. Aktionäre würden also erst einmal leer ausgehen. Es könnte aber noch schlimmer kommen für manchen Aktionär: Einige Unternehmen benötigen gar keinen Dividendenbeschluss mehr, sie haben die Dividende bereits gestrichen – teils aus Vorsichtsgründen, um die Liquidität im Unternehmen zu halten, teils aber auch gezwungenermaßen. Eigentlich bezieht sich die Dividende auf das letzte Geschäftsjahr in 2019, und da haben die meisten Unternehmen noch üppig verdient. Die Politik macht jedoch Druck: Unternehmen, die Staatshilfe beantragen, sollen gefälligst keine Dividende ausschütten. Das betrifft – wenig überraschend - die Lufthansa, aber auch z.B. Adidas und der ein oder andere Automobilhersteller. Nächstes Problem: Wird die Dividende gestrichen, fällt in vielen Unternehmen auch die variable Vergütung für die Arbeitnehmer weg. Die Sache ist wie immer komplizierter als gedacht. Unser Rat: Durch den Kursverfall am Aktienmarkt ist bei vielen Unternehmen die Dividendenrendite in attraktive Höhen geschossen. Hier lohnt sich jedoch, genau hinzuschauen, ob diese Kennzahl hält, was sie verspricht. Es ist leider zu erwarten, dass in den nächsten Wochen vielfach die Dividenden gekürzt werden oder ganz ausfallen. Am meisten Verlass ist auf Unternehmen, die sich über Jahrzehnte hinweg durch eine berechenbare Ausschüttungspolitik auszeichnen – die sogenannten Dividenden-Aristokraten. Diese Kandidaten bevorzugen wir auch in unserem Einzelaktien-Anlagekonzept STARKE MARKEN. Börsenhistorie: ein Crash-Vergleich Mit einem Verlust von 42% in vier Wochen erlebt der deutsche Aktienindex DAX das schwärzeste Börsenkapitel in seiner 33-jährigen Geschichte. Nie zuvor stürzte er in so kurzer Zeit so stark ab. Und der Vergleich mit älteren Krisen mahnt zur Vorsicht. Jeder Crash ist anders, doch bestimmte Mechanismen wiederholen sich. Sie zu vergleichen lohnt sich, auch um Signale für ein mögliches Ende der Talfahrt zu erkennen. Zwei Trends lassen sich ausmachen: Oft dauerte es nach Beginn eines Crashs nur wenige Wochen, bis die Kurse wieder ihr Ursprungsniveau erreicht hatten. Das macht Hoffnung für 2020. Aber nur auf den ersten Blick. Denn viele andere Börsenabschwünge weiteten sich nach einem ersten Crash zu einem langen und nervenzehrenden Abschwung aus. Dieser fiel stets umso stärker und länger aus, je höher die Aktien vor Beginn eines Crashs bewertet waren. Daran gemessen steht eine baldige Erholung auf wackligen Beinen. Am häufigsten wird der aktuelle Börseneinbruch mit dem von der Lungenkrankheit SARS hervorgerufenen Crash vor 17 Jahren verglichen. Damals verlor der DAX zwischen seinem Hoch und Tief 33%. Also etwa ähnlich viel wie diesmal. Allerdings taugt der Vergleich kaum: Weit mehr als SARS strapazierte damals der drohende Golfkrieg mit der Truppenintervention der Amerikaner die Nerven der Anleger. Die Erholung ab März 2003 folgte prompt und nachhaltig, als sich ein rascher Sieg der Amerikaner und der verbündeten Staaten abzeichnete. SARS geriet in den Hintergrund. Obendrein waren Aktien bei Ausbruch der SARS-Epidemie Ende 2002 sehr niedrig bewertet, weil die Kurse bereits mehr als eineinhalb Jahre tief gefallen waren. Computercrash 1987: Ein fallender Dollar-Kurs, das steigende Handelsbilanzdefizit der USA, die angespannte Lage im Nahen Osten und höhere Ölpreise lösten am 19. Oktober 1987 den "Schwarzen Montag" aus: Der Dow-Jones-Index verlor 22,6%. Der gerade ins Leben gerufene DAX brach um ein Viertel ein. Ursache des größten Tagesverlusts aller Zeiten waren nicht ausgereifte computergesteuerte Verkaufsprogramme. Erst 1989 erreichten die Kurse wieder ihr Vorkrisenniveau. Grund für die lange Zeit ausbleibende Erholung waren überteuerte Aktien: Gemessen an den Unternehmensgewinnen und dem bilanzierten Eigenkapital waren die Gesellschaften - und heruntergerechnet ihre Anteilsscheine - doppelt so hoch bewertet wie im langjährigen Durchschnitt. Das machte die Börsen anfällig für den Crash und den sich anschließenden "Bärenmarkt". Davon sprechen Börsianer, wenn die Indizes um mehr als 20% gegenüber ihrem Hoch verlieren. Golfkrieg 1990: Aktien waren moderat bewertet, als nur ein Jahr später Iraks Diktator Saddam Hussein am 17. Juli 1990 seine Truppen in Richtung Kuwait schickte. Zunächst reagierten die Börsen gar nicht. Der DAX erreichte mit 1.966 Punkten sogar ein Allzeithoch. Anleger setzten auf ein Einlenken des Diktators und das diplomatische Geschick der USA und ihrer Verbündeten. Doch es kam anders. Die Iraker überrannten das kleine Emirat, der Krieg am Golf weitete sich zu einer internationalen Krise aus, die irakischen Ölexporte kamen zum Erliegen, und die USA bereiteten mit ihren Verbündeten die Operation "Wüstensturm" vor. Während dieser Unsicherheit verlor der DAX im Herbst 1990 ein Drittel seines Werts - erholte sich aber 1991 sofort wieder, als sich ein rasches Ende des Kriegs abzeichnete. Die Voraussetzungen für die nachhaltig positive Börsenentwicklung schufen das Ende der Sowjetunion samt kommunistischer Marktwirtschaft und die Euphorie um neue Absatzmärkte in Osteuropa. Asien- und LTCM-Krise 1997/98: Kräftig gestiegen waren die Aktienkurse vor Ausbruch der nächsten beiden Krisen - allerdings in Einklang mit den seit Jahren rasant wachsenden Unternehmensgewinnen. Der Fall des Eisernen Vorhangs in Europa und die Öffnung Chinas eröffneten den westlichen Konzernen neue Ertragsperspektiven. Als die "Tigerstaaten" Südkorea, Thailand, Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Hongkong nach maßlosen Investitionen ausländischer Kapitalgeber und starkem Wachstum in eine Rezession fielen, reagierten internationale Investoren mit dem Abzug ihres Kapitals. Die Landeswährungen stürzten ab, der DAX brach im Frühherbst 1997 um gut 40% ein. Weil die USA ihr Wachstum aber weiter steigerten, beendeten die Börsen ihre Talfahrt und setzten ihre "Jahrhundert-Hausse" fort. Diese wurde nur ein Jahr später durch die LTCM-Krise ein zweites Mal unterbrochen. Der milliardenschwere Fonds "Long Term Capital Management" und seine mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften dekorierten Direktoren finanzierten ihre Investments fast ausschließlich mit Fremdkapital. Weil sich, anders als spekuliert, die Zinsdifferenzen in verschiedenen Ländern ausweiteten und die LTCM-Manager mit großen Hebeln arbeiteten, geriet der Fonds in eine milliardenschwere Schieflage. Marktteilnehmer fürchteten den Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems. Im Herbst 1998 verlor der DAX fast die Hälfte. Börsenboom 2000 und 1929: Die Notenbanken reagierten auf die LTCM-Krise. Sie retteten den Fonds und senkten die Leitzinsen. Das war der Startschuss für die Fortsetzung und das Finale der größten Hausse: des Booms um Internetaktien. In immer kürzeren Zeiträumen verdoppelten sich die Kurse. Wie im Boom 1929 wurden auch diesmal eigens Modelle entwickelt, um die neue Börsenwelt zu rechtfertigen. Unternehmen wurden nicht an Gewinnen, sondern an möglichen Umsätzen gemessen. "Der Konjunkturzyklus ist tot. Es lebe die neue Ära grenzenlosen Wachstums" war ein Slogan von 1929, der 1999 wörtlich wiederkehrte. Der Traum vom grenzenlosen Reichtum platzte 1929 und im Jahr 2000, weil sich immer höhere Erwartungen an die Unternehmen nicht erfüllten und weniger Anlegergeld die Börsen erreichte. Den Crashs von 1929 und 2000 folgte keine rasche Erholung. Beide Male waren Aktien extrem überbewertet. Gemessen am Eigenkapital und an den Konzerngewinnen waren die Dax-Konzerne und ihre Aktien im Jahr 2000 dreimal so teuer, wie es dem langfristigen Durchschnitt entsprach. 1929 waren die Überbewertungen an der Wall Street noch höher. Immer neue Krisen inmitten des Börsenabschwungs – das World-Trade-Center-Attentat am 11. September 2001, Bilanzfälschungen großer US-Konzerne wie Enron und Worldcom und der Irak-Krieg - schwächten die Wirtschaft, untergruben das Vertrauen in die Börse und mündeten im "irrationalen Abschwung": dem Spiegelbild zum vorangegangenen und von Nobelpreisträger Robert Shiller so bezeichneten "irrationalen Aufschwung". In drei Jahren verlor der DAX 75%, der Neue Markt mit den Technologieaktien 98%. Finanzkrise 2008: Fast so rasant wie im aktuellen Abschwung fielen die Kurse in der Finanzkrise 2008. Weil viele Unternehmen angesichts der Pleite der amerikanischen Großbank Lehman Brothers in eine Schockstarre verfielen, dabei Investitionen verschoben und Aufträge stornierten, stürzte die globale Wirtschaft ab. Ähnliches fürchten Anleger angesichts verhängter Reisebeschränkungen, Einreiseverbote, abgesagter Messen und Veranstaltungen, leerer Stadien und Cafés, gestörter Lieferketten und stillgelegter Produktionsstätten auch diesmal. Und noch etwas gleicht sich: Vor Ausbruch der Finanz- und der Corona Krise 2008 und 2020 waren die Aktienkurse jahrelang stärker gestiegen, als die Unternehmen es schafften, ihre Gewinne zu erhöhen. Setzen sich die Parallelen zwischen diesen beiden Krisen fort, dann wird die Virus-Krise die wirtschaftliche Entwicklung noch länger beeinträchtigen. Immerhin: Bis März 2009 verlor der DAX gegenüber seinem vorangegangenen Hoch 58%. Davon waren wir im bisherigen Corona-Crash-Tief gar nicht so weit weg.  

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Börse aktuell: Der Corona-Cut

Verfasst am 16.03.2020

Sehr geehrter Anleger, Corona hat nun auch die Börsen schwer im Griff. Aber Panik ist ein schlechter Ratgeber an der Börse. Deswegen bleiben wir cool. Lesen Sie außerdem, welche animalischen Instinkte in uns stecken und warum Aktien auch ein wenig Trost spenden können. Kurz vor den tollen Faschingstagen erreichten die Börsenmärkte Allzeit-Hochs. Da hatten die Börsianer noch gut lachen. Nur drei Wochen später befindet sich der deutsche DAX sage und schreibe 33% tiefer auf den alten Tiefständen von Ende 2018. Die Anleger hatten sich offensichtlich zu sehr in Sicherheit gewiegt. Die markante Korrektur hat viele auf dem falschen Fuß erwischt. In der schwärzesten Woche seit der Finanzkrise 2008 wurden an den internationalen Aktienmärkten Firmenwerte von mehr als sechs Billionen Dollar vernichtet. Die Kursgewinne, die der Markt über mehr als ein Jahr aufgebaut hat, sind nun wieder innerhalb weniger Tage weg. Die Kursrallye endet mit einem abrupten Absturz – als hätte jemand den Stecker gezogen. Auch an den Rohstoffmärkten zeigte sich die Panik der Anleger: Der Preis für Brent-Öl verzeichnet den stärksten Einbruch innerhalb einer Handelswoche seit 2011 und ist sogar unter die Marke von 35 US-Dollar pro 159-Liter-Fass gefallen. Die Preise für andere konjunkturabhängige Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium oder Zink sackten ebenfalls ab. Dass auch die Krisenwährung Gold zeitweise verlor, wird darauf zurückgeführt, dass große Investoren Gewinne im Gold realisierten, um Löcher in Portfolios zu schließen, die der Einbruch am Aktienmarkt gerissen hat. Geschafft hat dies eine Epidemie, die die Börse zunächst ziemlich ignorierte – wohl weil man den Schaden auf China begrenzt sah. Nun hat das Corona-Virus aber auch die Börse mit Angst verseucht. Die Kurse sind so schnell und so heftig verfallen, dass sich sogar schon die US-Notenbank FED zu einem Feuerwehreinsatz genötigt sah. In einem unerwarteten Schritt hat die FED die Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt gesenkt, um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus-Ausbruchs abzumildern. Die Währungshüter hatten bereits signalisiert, die Lage im Auge zu behalten und nötigenfalls zu reagieren. Dennoch hat die US-Notenbank die Märkte mit dem Schritt etwas überrumpelt, denn so stark hat die Notenbank die Leitzinsen seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr auf einem Schlag gesenkt. Die Epidemie berge "Risiken für die wirtschaftliche Aktivität" und so werden am US-Anleihemarkt bereits weitere Zinsschritte nach unten eingepreist. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bewegt sich nun Richtung 1%. Doch nicht jeder Marktteilnehmer ist überzeugt, dass Zinssenkungen die richtige Antwort auf die Corona-Krise sind. Die Zinssenkung hilft der Finanzierung von Verbrauchern und Unternehmen, kann aber keine löchrigen Lieferketten reparieren. Der Effekt der Zinssenkung ist auch geradezu verpufft. Die Aktienkurse sind weiter gefallen. Stattdessen setzt die FED den Glauben an ihre Unabhängigkeit aufs Spiel, da US-Präsident Trump schon seit Monaten auf eine Zinssenkung gedrängt hatte. Die Europäische Zentralbank hat diese Woche nun nachgezogen, allerdings ohne Zinssenkung, sondern mit einem Kreditprogramm für Banken zur Weiterreichung an Unternehmen. Auch diese Maßnahme ist am Markt zunächst verpufft. Den Einbruch an den Aktienmärkten muss man sehr ernst nehmen, zumal er in einer schockierenden Geschwindigkeit passiert ist. Dennoch halten sich Kapitalmarktstrategen daran fest, dass die Ausbreitung des Virus wenigstens mittelfristig eingedämmt werden kann, dass die Börsen sich dann beruhigen und die Anleger wieder einsteigen können. Viele frühere Krisen haben gezeigt, daß sich gerade Qualitätsaktien auch sehr schnell wieder erholen. Inzwischen heißt die Devise: Bleiben Sie gesund! Behavioral Finance: Aktien sind wie Klopapier Das Corona-Virus macht Deutschland kirre: Schlangen bei Aldi, weil es Desinfektionsmittel zu kaufen gibt. Anderswo wird Klopapier, Nudeln und Knäckebrot gehamstert. Europa im Ausnahmezustand: Regale leer, Hotels leer, Restaurants leer, Stadien leer, Messen und Kulturleben abgesagt. Was ist hier los? Corona ist los. Dabei sterben in Deutschland weitaus mehr Menschen an der normalen Grippe als an der neuartigen Erkrankung. Die Panik ist deshalb so groß, weil ein neuartiges Phänomen sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zieht und weil plötzlich viele Menschen in einem kurzen Zeitraum ums Leben kommen. Wenn dagegen Menschen verteilt über das Jahr sterben, macht uns das kaum Angst. Ein Beispiel ist der Straßenverkehr: 2019 sind in Deutschland über 3000 Menschen ums Leben gekommen, genauso viele wie bislang durch das Coronavirus auf der gesamten Erde. Auch sterben alljährlich 18.000 Personen an ärztlichen Behandlungsfehlern. Viele kennen diese Zahlen nicht, weil darüber zu wenig berichtet wird. Vergleiche könnten helfen, die Todesfälle in Relation zu bekannten Gefahren zu setzen, statt wie hypnotisiert nur auf das Virus zu schauen. Das Coronavirus ist eine neue Gefahr, wir kennen es nicht aus eigenen Erfahrungen, sondern primär durch die Medien, die oft eher zusätzlich die Angst schüren als zur Beruhigung beizutragen. Aus Angst getriebene Menschen bringen sich aber oft zusätzlich in Gefahr. So seien etwa viele Amerikaner nach den Terroranschlägen von 9/11 aufs Auto umgestiegen. Doch dadurch gab es im Straßenverkehr 1600 Tote mehr als üblich. Auch den Aktionismus, dem die Politik verfällt, muss man relativieren. Man erinnere sich an die Schweinegrippe: Viele europäische Regierungen gaben Hunderte von Millionen für das Medikament Tamiflu aus, obwohl nicht nachgewiesen war, dass es die Bürger überhaupt gegen die Folgen der Schweinegrippe schützt. Aber man hatte etwas getan. Da die Schweinegrippe doch nicht der große Killer war, wurde Tamiflu am Ende verbrannt – und damit auch unsere Steuergelder. Absolute Sicherheit hat somit einen hohen Preis; es gibt sie aber ohnehin nicht in unserem Leben und wäre auch langweilig. Wenn wir wüssten, wann wir sterben, ob unsere Ehe geschieden wird, dann bräuchten wir keine Emotionen mehr. Wir könnten uns an nichts mehr erfreuen, auf nichts hoffen und würden nie mehr überrascht. Corona zeigt jedoch wieder sehr eindrucksvoll, dass offenbar in uns allen ein Lemming steckt. Der Herdentrieb bringt die einen ans Regal mit Hygieneartikeln, während die anderen ihr Aktiendepot leerräumen. Rational ist das nicht - zumal vor wenigen Wochen die Investoren noch tief entspannt waren. Und das, obwohl in China bereits eine Millionenstadt abgeriegelt wurde. Trotzdem stiegen die Aktienkurse fröhlich weiter und niemand kam auf die Idee, Dosenravioli zu horten. Über Nacht schlug die Stimmung um: Panik-Modus. Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller wird wieder einmal bestätigt: Nicht etwa rationale Überlegungen prägen die Kurse, sondern "animalische Instinkte". Es ist eben nicht so, dass an der Börse die zur Verfügung stehenden Informationen sinnvoll verarbeitet werden. Stattdessen hat nun der Fluchtinstinkt die Herrschaft übernommen: Wenn alle losrennen, renne ich lieber mit - völlig unabhängig davon, ob das wirklich eine gute Idee ist. Die allgemeine Stimmung an der Börse darf jedoch nicht der Anlass sein, Aktien zu verkaufen oder zu kaufen. Unser Rat: Vor einigen Wochen wurden Aktien oft nur deshalb gekauft, weil Zinsanlagen unattraktiv geworden sind, und weil es zur Zeit keine bessere Alternative im Hinblick auf die Dividendenrendite gibt. Jetzt gibt es aber bald ein viel schlagenderes Kaufargument, denn viele Aktien sind wieder auf attraktive Bewertungsniveaus gerutscht. Nach den massiven Kursverlusten in den Indizes ist es für Aussteigen zu spät. Stattdessen könnten langsam Zusatzkäufe interessant werden. Aktien: Ein Quantum Trost Zu guter Letzt kann man seinen Blick auch auf etwas Positives richten: Die Dividendensaison naht und da viele Firmen letztes Jahr blendend verdient haben, wird auch dieses Jahr wieder das Füllhorn über die Aktionäre ausgeschüttet. In 2019 wurden nahezu unvorstellbare 1371 Milliarden Dollar weltweit als Dividende ausgezahlt; dieses Jahr sollen es sogar 1420 Milliarden Dollar werden. Nie zuvor haben Unternehmen mehr Geld verteilt. Nur 14 Staaten haben ein Bruttoinlandsprodukt, das höher ist als der globale Dividendenberg. Anleger lieben Dividenden. Wer auf die richtigen Aktien setzt, hat die Chance auf steigende Kurse und bekommt nebenbei regelmäßig Bares auf sein Konto. Die Dividende wird also zu einem zweiten Gehalt oder einer zusätzlichen Rentenzahlung. Die niedrigen Zinsen machen die Dividende noch wertvoller: die Notenbanken stützen mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik die Wirtschaft, machen es Sparern aber nahezu unmöglich, mit klassisch defensiven Investments Geld zu verdienen. Mehr als 80% der deutschen Staatsanleihen werfen eine negative Rendite ab. Die Unternehmen im MSCI Europe kommen dagegen auf eine Dividendenrendite von knapp 4%. Viele Anleger setzen bevorzugt auf Unternehmen aus der Heimat. Deutsche Unternehmen schütten zwar häufig hohe Gewinnanteile aus, aber die Zahl der zuverlässigen Dividendenzahler ist in Deutschland begrenzt, weil viele Unternehmen aus zyklischen Branchen kommen. Ein Blick über die Landesgrenzen kann daher wertvoll sein: Wer international investiert, hat eine größere Auswahl und kann das Risiko besser streuen. Die Schweizer Konzerne Nestlé, Novartis und Roche steigern ihre Dividende seit vielen Jahren kontinuierlich. Auch der Ölriese Royal Dutch Shell und der Nahrungsmittelhersteller Unilever, beide mit Doppelsitz in den Niederlanden und Großbritannien, sind bewährte Dividenden-Investments. Die berühmtesten Dividendenwerte sitzen in den USA. Dort sind viele der sogenannten Dividenden-Aristokraten zu Hause, Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 25 Jahren durchgehend angehoben haben. Der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble hat seine Ausschüttung sogar seit 62 Jahren kontinuierlich gesteigert, PepsiCo seit 46 Jahren. Obwohl Technologie-Konzerne freie Mittel meist in das operative Geschäft und Übernahmen stecken, schütten einige Geld auch aus. Die prominentesten Fälle sind Microsoft, Apple und Cisco. Dabei gilt auch bei Dividenden der Grundsatz „andere Länder – andere Sitten“: in den USA sind die Dividendenrenditen meist niedriger als in Europa. Das liegt unter anderem daran, dass viele amerikanische Unternehmen neben der Dividende eigene Aktien zurückkaufen und damit nur einen Teil des verfügbaren Geldes direkt an die Aktionäre weitergeben. Aktienrückkäufe verbessern Kennziffern wie den Gewinn je Aktie und steigern damit zumindest in der Theorie den Kurs. Außerdem muss ein Unternehmen nach Rückkäufen bei der nächsten Ausschüttung weniger Papiere bedienen. Zudem hat jedes Land einen eigenen Rhythmus: in Deutschland wird das Geld meist auf einen Schlag nach der Hauptversammlung ausgezahlt. Hochsaison ist darum im April und Mai. In den USA strecken die Unternehmen ihre Ausschüttung in der Regel über vier Quartale. Statt einer einzigen großen Überweisung gibt es somit vier kleinere Zahltage. Das verschafft den Unternehmen mehr Flexibilität. Für Investoren, die mit der Dividende einen Teil ihres Lebensunterhalts bestreiten, hat der Quartalsrhythmus den Charme, dass sich die Ausschüttung besser an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt. Eine große Einmalzahlung verleitet vielleicht dazu, das Geld lieber auf einen Schlag auszugeben. Wer sein Depot geschickt zusammensetzt, kann dann sogar jeden Monat Quartalsdividende kassieren. Schon drei Aktien reichen. Ein Beispiel: Cisco Systems zahlt gewöhnlich im Januar, April, Juli und Oktober; der Telekomkonzern Verizon im Februar, Mai, August und November; Royal Dutch Shell im März, Juni, September und Dezember.

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