Thomas Radloff
Persönliches Finanzmanagement

Vermögensverwaltung

Meine Markteinschätzung für Spekulanten/Trader und Investoren

Verfasst von Thomas Radloff am 12.06.2020

Meine Markteinschätzung  für Spekulanten/Trader und Investoren

Für Trader:

Vor drei Monaten, bei einem DAX rund 8.500 Punkten, hatte ich auf Facebook empfohlen, langfristig zu denken und sukzessive Aktienpositionen wieder aufzubauen, da man den Tiefstand eh nie erwischt. Ich konnte damals nicht ahnen, dass die Aktienmärkte in einer V-förmigen Erholung innerhalb von den besagten zwei Monaten sich bereits um über 30 % nach oben bewegten. Dies ist NICHT Aufgrund der tollen wirtschaftlichen Situation bzw. den Aussichten  bei den Unternehmen zurückzuführen, sondern nahezu ausschließlich aufgrund der Liquiditätsschwemme, die von den Notenbanken losgetreten wurde.

Wer also im Aktienmarkt engagiert ist, kann dies langfristig gesehen, auch gerne bleiben, muss allerdings damit rechnen, dass noch weitaus  größere Schwankungen (nach unten!) auftreten.

 

Zur wirtschaftlichen Gesamtsituation:

Die Unternehmensergebnisse des ersten Quartals liefern einen Vorgeschmack darauf, welche Spuren die Covid-19-Pandemie in den Gewinn-und-Verlust-Rechnungen der Unternehmen hinterlässt. Und es ist mit höchster Wahrscheinlichkeit absehbar, dass die Ergebnisse im zweiten Quartal noch schlechter als die in den ersten drei Monaten des Jahres ausfallen werden.

Vor diesem Hintergrund scheinen die Schätzungen der Unternehmens-Analysten noch deutlich zu optimistisch. Sie rechnen für die Unternehmen des MSCI World in diesem Jahr mit einem Gewinnrückgang von durchschnittlich 11,8 Prozent. Beim MSCI All Countries kalkulieren sie sogar nur mit einem Minus von 9,4 Prozent. Tatsächlich könnte sich der Gewinn-Rückgang jedoch auf bis zu 20 Prozent belaufen. Da scheint eine KGV-Bewertung von 16,9 beziehungsweise 16,1 recht ambitioniert. Das sieht nicht unbedingt nach Kauf-Kursen aus.

Die Crashs sind an den Aktienmärkten in den zurückliegenden Jahrzehnten alle nach einem ähnlichen Muster verlaufen. Nach einem Absturz kam es zu einer Bärenmarktrally, bevor es noch einmal kräftig nach unten ging. Das war 1973 so, genauso wie 1987 und in den Jahren 2000 bis 2003 sowie 2007. Bei den beiden letzten Crashs vor Corona ging der zweite Dip sogar noch tiefer nach unten als der erste.

Das war für mich ein perfektes Hochziehen der großen Jungs in den letzten 3 Monaten.

Die Schäfchen, die mitgezogen sind, haben sicherlich gut verdient. Ich leider nicht. Ich hab mich beim Stand von rund 11.500  nicht weiter getraut. Hoffentlich finden die Börsianer noch den Ausgang, bevor es dunkel wird. Glückwunsch an alle, die dieses heiße Spiel erfolgreich getradet haben. Der Absturz der letzten 2 Tage hätte auch wesentlich früher stattfinden können, wenn wir reale Verhältnisse an den Märkten hätten. Ich bleibe dabei, dass wir uns in einem Bärenmarkt befinden und die letzten 3 Monate eine (manipulierte) Gegenreaktion war, auf die viele Unbedarfte aufgesprungen sind in Verkennung der wahren desatrösen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse. Die Paralellen zu 1929 werden immer deutlicher. 

Ich bleibe nach wie vor erstmal  bearish im DAX und long im Gold.

 

Für Investoren/Sparer in ETF Sparplänen:

Dazu kommt, dass der Kursanstieg in den vergangenen Wochen bei dünnen Umsätzen stattfand und die Volatilität sich noch immer auf einem hohen Niveau bewegt. Beides erhöht die Anfälligkeit der Aktienmärkte. Es könnte also durchaus sein, dass die Märkte die Tiefs vom März noch einmal testen. Angesichts dieser Erfahrungen und Umstände sollten die Anleger derzeit Aktien nicht weiter aggressiv zukaufen. 

Das Aufwärtspotenzial scheint für die nächsten Monate deutlich kleiner zu sein als das Abwärtspotenzial. Wie gesagt, wer sehr langfristig denkt, sollte natürlich nichts ändern und weiter, so wie es mit mir in der Beratungsstunde besprochen war, handeln.

 

Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar (§ 85 WpHG).

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