Marc-Oliver Lux
Persönliches Finanzmanagement

Anlagen

Börse aktuell: Trendloses Geplänkel auf hohem Niveau

Verfasst von Marc-Oliver Lux am 07.09.2021

Sehr geehrter Anleger,

der Sommer war mau – auch an der Börse. Vielleicht bringen die Urlaubsrückkehrer endlich mehr Dynamik in den Markt.
Lesen Sie außerdem über die geplante Indexerweiterung im DAX und neue Nachweispflichten für Bareinzahlungen.

Bullen- und BärenmarktDie Urlaubsheimkehrer können zufrieden sein: Sie haben im Grunde genommen nichts verpasst. Es war ein üblicher Börsensommer: Wildes Hin und Her aber eigentlich ist nix passiert: Anfang Juni stand der deutsche Aktienindex DAX bei 15.600. Bis heute hat sich dieser Punktestand allenfalls unwesentlich erhöht. Seit Wochen plätschert der Index summa summarum ohne Trend seitwärts. Die Marktvolatilität ist mittlerweile deutlich unter 20 gefallen – Niveaus, wie sie vor dem Corona-Crash üblich waren.

Auch im amerikanischen Dow Jones hat die Dynamik über die Sommermonate nachgelassen. Die technologielastigeren Indizes S&P 500 und NASDAQ hingegen streben weiter munter nach oben. Wieder mal ergibt sich ein Gap zwischen Old Economy und High-Tech: +13% im NASDAQ seit Juni versus +2% im Dow Jones und +1% im DAX. Ohnehin hat man beim DAX mittlerweile das Gefühl, dass die eigene Kraft fehlt und der Index nur kraft der Amerikaner nach oben mitgeschleift wird. Man kann nur hoffen, dass die anstehende Indexerweiterung dem DAX endlich den notwendigen Schubs gibt, die 16.000er-Marke deutlicher zu überspringen.

Dabei betrachten Börsianer den Monat September ohnehin mit Vorsicht. Vor dem in der Regel für Aktien saisonal günstigen vierten Quartal, gab es da häufig eher Rückschläge.
Auslöser für solche Rückschläge könnte die amerikanische Notenbank sein. Mit Argusaugen beobachten die Börsianer mittlerweile die Rauchzeichen von der US-Notenbank FED. Hier steht früher oder später eine Änderung der Zinspolitik auf der Agenda. Anscheinend findet Notenbankchef Powell aktuell aber die richtigen Worte, indem er ein nur langsames Ausschleichen des Anleihen-Kaufprogramms ankündigt. Mit so einem berechenbaren Fahrplan können die Märkte leben.
Gerade für den ein oder anderen hochbepreisten Tech-Wert besteht nämlich die Gefahr, dass steigende Zinsen die schwindelerregenden Unternehmensbewertungen nicht mehr rechtfertigen. Das Rückschlagspotential ist gerade in den Wachstumswerten, die viel Zukunft vorwegnehmen, besonders hoch. Daneben liegen einige klassische Konsumwerte immer noch wie Blei im Depot. Hier sind die Bewertungen zum Teil immer noch günstig. Doch das Damoklesschwert „Corona“ bremst die Konsumnachfrage immer wieder ein, so dass keine wirkliche Wachstumsphantasie aufkommt. Diese Werte brauchen wohl noch Zeit.

 

Aktien: Der DAX wird 40

Das InflationsgespenstDer Countdown läuft: Der deutsche Leitindex DAX wird ab Ende September um zehn auf dann 40 Werte erweitert und der MDAX um zehn Werte verkleinert. Unternehmen, die neu in den DAX aufgenommen werden, müssen ab Dezember positive Ergebnisse liefern und zudem Mitteilungspflichten und Compliance-Vorgaben erfüllen.

In der jüngeren Vergangenheit hatte der Ruf des DAX 30 arg gelitten. Viele Geschäftsmodelle gelten mittlerweile als rückständig und lassen auch zukünftig kaum Prosperität erwarten. Von mangelnder Corporate Governance, hoher Verschuldung und schwindender Profitabilität in den Indextiteln war die Rede. Der Wirecard-Skandal war dann die Spitze des Eisberges.

Eins steht aber auch fest: Eine Revolution ist die Reformierung des DAX nicht. Fortan dürfen jedoch nur noch profitable Unternehmen in den deutschen Leitindex aufgenommen werden, die gewisse Corporate-Governance-Regeln zu beachten haben. Pleitekandidaten und solche, die ihrer Pflicht zur fristgerechten Veröffentlichung ihrer Konzernabschlüsse nicht nachkommen, sollen künftig nichts mehr im DAX verloren haben. Die Krisenfestigkeit soll zudem auch durch die Erhöhung der Anzahl der DAX-Unternehmen um zehn auf 40 verbessert werden.

Doch es gibt einen großen Verlierer, und der Mehrwert ist eher überschaubar: Wird der DAX um zehn Unternehmen aufgepolstert, dann steigt zwar die Anzahl der enthaltenen Unternehmen um ein Drittel, seine Marktkapitalisierung jedoch gerade einmal um 8%. Der MDAX hingegen erfährt gleichzeitig eine enorme Abwertung, da er im Gegenzug seine 10 größten Werte und damit etwa ein Drittel seiner Marktkapitalisierung einbüßt.

Die Deutsche Börse kann es am Ende nicht allen Marktteilnehmern recht machen. Dass der erweiterte DAX mehr als 90% der Marktkapitalisierung und Börsenumsätze aller börsennotierten Firmen in Deutschland ausmachen wird, offenbart ein viel diskussionswürdigeres Problem: Es fehlt hierzulande an börsennotierten Unternehmen. Dass Deutschland ein Land der Aktienmuffel ist, gilt leider nicht nur anlegerseitig. Die Aktie als Instrument der Finanzierung ist hierzulande auch bei Unternehmen unbeliebt. Es braucht daher eine breit angelegte Diskussion darüber, wie man die Aktie sowohl als Anlage, als auch als Finanzierungsinstrument populärer machen könnte, um breite Bevölkerungsschichten am Produktivkapital zu beteiligen.

Zweifelsohne wäre es wünschenswert, wenn künftig vermehrt zukunftsträchtigere Geschäftsmodelle Eingang in den DAX finden würden. Durch die neuen Profitabilitätsanforderungen im DAX bleibt jedoch gerade jungen und wachstumsstarken Unternehmen, denen es oft noch an Gewinnen fehlt, der Zutritt zum Börsenolymp verwehrt. Die Anforderungen, fristgerecht Jahresabschlüsse und Zwischenberichte zu veröffentlichen und einen Prüfungsausschuss zu installieren, sollte auf einem funktionsfähigen Kapitalmarkt nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit sein.

Die Indexmitglieder werden zukünftig nur noch nach ihrer Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen. Die Indexstruktur des DAX ändert sich durch die Erweiterung letztlich jedoch nur unwesentlich. Klumpenrisiken bleiben. Die Unternehmen im DAX werden auch in Zukunft nicht alle das gleiche Gewicht haben. Platzhirsche wie Linde, SAP, Allianz, BASF und Siemens werden deshalb die mit Abstand einflussreichsten Index-Mitglieder bleiben und zusammen mit dem Aufsteiger Airbus wesentlich den DAX-Trend bestimmen. So bleibt auch der neue DAX 40 eher durch die "Old Economy" geprägt; im Vergleich dazu bildet der US-Index S&P 500 mit über 40% an Technologie- und Healthcare-Aktien eine andere Ökonomie ab.

Unsere Einschätzung:
Der neue DAX soll die deutsche Wirtschaft besser repräsentieren, aber das ist nur Augenwischerei: Große Teile der deutschen Volkswirtschaft werden nicht an der Börse gehandelt. Deutschlands Wirtschaft ist stark von mittelständischen Unternehmen geprägt, und diese werden im wichtigsten Börsenbarometer der Republik naturgemäß auch künftig nicht vertreten sein. Die Performance und das Risikoprofil des DAX werden durch die Anpassung nicht verändert. Wenige zyklische Sektoren prägen den Index und werden das auch weiterhin tun – darunter die Autoindustrie sowie Chemie- und Pharmaunternehmen. Durch diese Konstellation wird der DAX weiterhin wohl besonders krisenanfällig sein und in Rezessionsphasen mehr verlieren als zum Beispiel die US-Indizes. Bei unserem Aktienkonzept STARKE MARKEN setzen wir daher auf ein breiteres Aktienspektrum, das insbesondere wachstumsstarke Marken-Unternehmen aus Nordamerika einschließt. Die langfristige Performance spricht für sich.

 

Bargeld: Neue Regeln für Bareinzahlungen

BargeldNach einer Entscheidung der Finanzaufsicht BaFin müssen Bankkunden, die mehr als 10.000 Euro in bar auf ihr Konto einzahlen möchten, seit Anfang August die Herkunft der Summe nachweisen. Der Nachweis ist auch beim Kauf von Edelmetallen und beim Tausch von Banknoten oder Münzen, dem sogenannten Sortengeschäft, zu erbringen. Die neuen Regeln sollen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erschweren.

Wird die Herkunft nicht oder nicht ausreichend nachgewiesen, ist es dem Kreditinstitut untersagt, die Transaktion auszuführen. Soll Bargeld nicht bei der Hausbank, sondern bei einem anderen Institut eingezahlt werden, ist bereits ab einem Betrag von 2.500 Euro ein Herkunftsnachweis erforderlich. Gewerbliche Kunden sind in der Regel allerdings von den neuen Maßnahmen nicht betroffen.

Als Nachweis können folgende Belege dienen:

  • ein aktueller Kontoauszug über die Barauszahlung, wenn sie vom eigenen Konto bei einer anderen Bank erfolgt ist,
  • Barauszahlungsquittungen einer anderen Bank oder Sparkasse,
  • ein Sparbuch, aus dem die Barauszahlung hervorgeht,
  • Verkaufs- und Rechnungsbelege (also beispielsweise Belege zu einem Auto- oder Edelmetallverkauf),
  • Quittungen über Sortengeschäfte,
  • letztwillige Verfügung, Testament, Erbschein oder ähnliche Erbnachweise sowie
  • Schenkungsverträge oder Schenkungsanzeigen.

Der Nachweis muss der Hausbank direkt bei der Einzahlung erbracht oder unverzüglich nachgereicht werden. Dies gilt auch für den Fall, dass mehrere Teilbeträge eingezahlt werden, die in Summe 10.000 Euro überschreiten. „Kompliziert, bürokratisch, aufwendig“ – der Bargeldnachweis sorgt schon jetzt bei den Geldhäusern für schlechte Stimmung. Die von der BaFin geforderten Nachweise seien oftmals nicht geeignet, die tatsächliche Mittelherkunft zu belegen. Selbst wenn keine dubiosen Geschäfte hinter den hohen Bargeldsummen stecken, sei es für Kunden oft schwierig, die Herkunft zu belegen.

Unsere Einschätzung:
Die Finanzpolitik hat zwar den Kampf gegen Geldwäsche aufgenommen, dennoch entsteht immer wieder der Eindruck, dass dies in Deutschland nur halbherzig geschieht. Bareinzahlungen bei Banken sind das geringste Problem, denn schon vorher musste jede größere Einzahlung als verdächtig und als Untersuchungstatbestand für Geldwäsche behandelt werden. Insofern sind die Abschaffung der 500-EUR-Banknote und die Einzahlungsbeschränkungen für Bargeld Nebenkriegsschauplätze die eher dem Normalbürger das Leben schwer machen als irgendeinem Geldwäsche-Profi. Die großen Summen werden längst anderweitig gewaschen.

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