Inflation und Energiepreise treiben Deutschland in die Rezession

Thema: Finanzmärkte / Wirtschaft

Verfasst von MoneyController am 26.05.2023

Statt der erwarteten Stagnation befindet sich Deutschland nach dem ersten Quartal dieses Jahres in einer sogenannten 'technischen Rezession'. Und ist sie auch ein Problem für Europa? 

Deutschland in einer technischen Rezession

Von einer technischen Rezession spricht man, wenn das Bruttoinlandsprodukt eines Landes in zwei aufeinander folgenden Quartalen schrumpft. Genau das ist in Deutschland geschehen. Im vierten Quartal 2022 betrug die Schrumpfung 0,5 Prozent, im ersten Quartal 2023 0,3 Prozent. In den letzten Monaten wurde die deutsche Wirtschaft von der Inflation (die sich auch auf den Immobilienmarkt auswirkt) und insbesondere von den steigenden Energiepreisen belastet. Im April lag die Inflation bei 7,2 %, und der anhaltende Kaufkraftverlust des Geldes dürfte der Grund für den Rückgang des Konsums der privaten Haushalte um 1,2 % im ersten Quartal 2023 sein.

Rückgang des Konsums der privaten Haushalte

Wie Alexander Hagelüken in der Süddeutschen Zeitung schreibt, betraf der Konsumrückgang eine breite Palette von Gütern: Nahrungsmittel, Getränke, Bekleidung, Schuhe, Möbel und sogar Autos, wobei letzteres auf die geringere Förderung von Elektroautos und die Einstellung der Förderung von Plug-in-Hybriden zurückzuführen sein dürfte.

Schwindendes Vertrauen in die Aussichten der deutschen Wirtschaft

Dass sich die deutsche Wirtschaft derzeit in einer unsicheren Lage befindet, zeigt auch der erste Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex seit sechs Monaten. Pessimistisch ist man vor allem für das Exportwachstum: Die Verschärfung der Kreditkonditionen dämpft auch international den Konsum, und die deutsche Wirtschaft scheint nicht dynamisch und wettbewerbsfähig genug zu sein, um diese Phase unbeschadet zu überstehen. Die pessimistischsten Schätzungen sprechen von einer Rezession, die bis in die zweite Jahreshälfte andauern könnte.

Technische Rezession in Deutschland ist auch ein Problem für Europa

Bundeskanzler Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Robert Habeck wiesen darauf hin, dass die deutsche Industrieproduktion nach wie vor solide sei und die Investitionen voraussichtlich steigen würden, und dass die Krise vor allem auf kurzfristige Faktoren wie Inflation und Energiekosten zurückzuführen sei (Habeck sagte übrigens, er mache sich mehr Sorgen über mittel- und langfristige Faktoren wie die Alterung der Bevölkerung und den Mangel an Arbeitskräften). Allerdings könnte die Rezession in Deutschland, der größten Volkswirtschaft Europas, die Aussichten auf eine Erholung in Europa insgesamt in Frage stellen.

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