Anlegerbrief Oktober 2023

Thema: Anlagen

Verfasst von Marc-Oliver Lux am 13.10.2023

Hurra - endlich ist der Zinsgipfel da! Zumindest scheint es so, denn die Notenbanken wollen eine Pause einlegen bei ihren Zinsstraffungen. Lesen Sie außerdem, wie man vorgehen kann, wenn man auf einmal einen Haufen Geld auf dem Konto hat, und warum der Ölpreis ein unberechenbares Biest bleibt.

Inhalt

Börse aktuell: Zinsgipfel

War es das? Haben die Zinsen ihren Höhepunkt erreicht? Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im September nochmals die Notenbankzinsen um 0,25 erhöht und nun scheint tatsächlich ein Zinsgipfel erreicht. Europas Notenbanker haben zwar die Tür zu weiteren Zinserhöhungen einen kleinen Spalt weit offengehalten. Aber damit wollen die Notenbanker vor allem verhindern, dass die Kapitalmärkte zu euphorisch werden und dass die Finanzierungsbedingungen sich dadurch zu sehr lockern und der Geldpolitik bei der Inflationsbekämpfung noch in die Quere kommen.

Die Verbraucherpreise lagen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im September um 4,5% höher als im Vorjahresmonat. Im August hatte die Teuerung noch 6,1% betragen. Die Daten dürften die Erwartung festigen, dass die EZB die Zinsen nach zehn Erhöhungen in Folge nicht weiter anheben wird – so es keine Schocks gibt. Die Währungshüter haben jedoch auch immer wieder bekräftigt, die Kreditkosten für einen längeren Zeitraum auf restriktivem Niveau halten zu wollen, um die Inflation auf das EZB-Ziel von zwei Prozent zu drücken.

Was passiert nun nach dem Zinsgipfel? Die Notenbanken und viele Ökonomen erwarten, dass die Zinsen eine Weile hoch bleiben. Angesichts der Hartnäckigkeit der Kerninflation und der anhaltenden Inflationsrisiken auf der Oberseite erscheint daher die derzeitige Markteinschätzung, dass ein Potenzial für Zinssenkungen im Umfang von 70 Basispunkten im Jahr 2024 besteht, wohl allzu optimistisch. Erst ein schwerer Wirtschaftsabschwung würde die EZB hier zum Handeln zwingen. So bekräftigte auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass die Zinsen so lange hoch bleiben werden, wie es zur Zähmung der Preise erforderlich ist – selbst wenn die Konjunktur schlingert.

Die neue Welt nach dem Zinsgipfel bringt neue Chancen, aber auch neue Sorgen mit sich. Mittelfristig mag es wieder niedrigere Zinsen geben. Das gilt vor allem für die kurzfristigen Laufzeiten, die durch die Geldpolitik besonders hochgepusht wurden. Chancen finden sich im Anleihebereich, weil sinkende Renditen umgekehrt steigende Kurse bedeuten. Aktien sollten auch davon profitieren. Aber die heutigen Börsenbewertungen passen gar nicht zu den immer noch hohen Anleiherenditen; die Aktienkurse haben die Zeit nach dem Zinsgipfel also schon zu einem guten Teil vorweggenommen. Und wenn die Wucht der geldpolitischen Straffung die Unternehmen erst voll erreicht, bremst das die Gewinne.
Längerfristig bleiben daher auch Sorgen – vor allem in Deutschland und Europa. Der Bedarf an Investitionen für den Umbau der Wirtschaft zu mehr Klimafreundlichkeit verlangt große finanzielle Anstrengungen, der Ausbau der Verteidigungsfähigkeit auch. Die Staaten werden sich weiter verschulden müssen. Wenn die Bevölkerung eher schrumpft und das Wachstum damit ebenso, wird die Schulden- und Zinslast drückender. Die Konsequenzen werden wir im nächsten Jahr sehen.

Euro

Private Vermögensanlage: Was tun mit einer halben Million?

Wer viel Geld erbt oder durch einen glücklichen Zufall gar gewinnt, beschäftigt sich in der Folge fast zwangsläufig mit Fragen der Vermögensverwaltung. Wie das Geld am besten anzulegen ist, hängt dabei vom Alter und der Lebenssituation des Besitzers ab.

Zwei Geschwister erben ein Haus. Der eine kann den anderen nicht auszahlen - die Immobilie wird verkauft. Plötzlich landet so ein großer Geldbetrag auf dem Konto, zum Beispiel eine halbe Million Euro. Ein Fall, der so oder ähnlich gar nicht so selten vorkommt. Zum Beispiel auch, wenn ein Haus oder ein Unternehmen verkauft wird, weil niemand mehr in der Familie ein persönliches Interesse daran hat.
Von einem auf den anderen Tag Geld zu haben ist ein traumhaftes Ereignis. Aber auch eine Herausforderung, um die Chancen, die der Reichtum gibt, möglichst gut nutzen zu können. Doch wie geht man richtig damit um?
Am Anfang ist es wichtig, sich ein paar Fragen zu stellen: In welcher Phase seines Lebens befindet sich jemand? Wie stellt er sich seine Zukunft vor? Wichtig ist auch, ob es weiteres Vermögen gibt und wie alt der „Neu-Reiche“ ist. Das Alter spielt eine entscheidende Rolle. Je länger ein Vermögen angelegt wird, desto besser kann es schwankende Kurse vertragen. Für verschiedene Lebensstadien können daher unterschiedliche Anlagestrategien notwendig sein. Eine Anlageklasse gehört allerdings in jedes Depot: Aktien.

Junge Menschen
20-Jährige sind mit einem Berg Geld meist "völlig überfordert". Wer in dem Alter ist, denkt meist über eine Ausbildung oder ein Studium nach. An Finanzthemen haben junge Menschen oft nur wenig Interesse, möchten sich aber vielleicht eine Wohnung einrichten oder eine große Reise machen.

Daher kann eine Liquiditätsreserve von rund zehn Prozent sinnvoll sein. Bei diesem Geld steht im Vordergrund, dass es jederzeit verfügbar ist. Der größte Teil des Geldes gehört wiederum in ein Depot, das überwiegend in Aktien investiert wird. Wie hoch genau die Quote ausfallen sollte, hängt von der Risikoneigung des Anlegers ab: Wer bei Kursverlusten schnell nervös wird, sollte zurückhaltender bleiben. Einen Aktienanteil von 60 bis 80 Prozent des Vermögens sollte ein junger Mensch aber einplanen - langfristig bieten diese Beteiligungen am Produktivvermögen der Wirtschaft die größten Renditechancen unter den liquiden Anlagen. Als Sachwert stellen sie grundsätzlich auch einen Schutz gegen eine mögliche massive Geldentwertung dar. Investiert werden sollte das Geld international und nicht nur – wie es leider immer wieder passiert - vorwiegend im Heimatland. Bei Einzelaktien kann man gezielt Schwerpunkte in bestimmte Unternehmen und Branchen setzen, über Fonds und ETFs ist man automatisch breiter gestreut.

Die Aktienanlage erfordert manchmal Geduld und die Fähigkeit, Kursverluste auszusitzen. Nach einer Auswertung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) sieht die Bilanz von Aktien nach mind. 11 Jahren in der Regel aber positiv aus. Fast immer setzt sich trotz aller Schwankungen im Endergebnis ein langjähriger Aufwärtstrend durch. Historisch gesehen gab es weltweit nur selten Aktienverluste, die nie mehr oder erst nach Jahrzehnten aufgeholt wurden.

Der Renditevorsprung ist aber nicht der einzige Vorteil der Aktien. Ein großer Pluspunkt der Dividendenpapiere ist auch ihre Flexibilität. Sie können jederzeit über die Börse verkauft werden.
Mit zunehmendem Alter kann man die Quoten Richtung Sicherheit verschieben. Vielen älteren die Menschen ist wichtiger, ihr Vermögen schlicht zu erhalten; oder sie brauchen einen Teil des Vermögens zur Finanzierung ihres Lebens. Und mit einer zu hohen Aktienquote könnte dann ein massiver Börseneinbruch zur Bedrohung werden.

Mittleres Alter
Ein Vierzigjähriger hat in der Regel andere Wünsche als ein junger Mensch. Viele stehen dann fest im Berufsleben, haben Kinder, schon etwas angespart und wollen sesshaft werden. Wer in dem Alter plötzlich reich wird, will das Geld häufig in eine Immobilie anlegen. 500.000 Euro Eigenmittel helfen dann, entspannt ein Darlehen aufzunehmen. Wer bereits eine Finanzierung laufen hat, kann auch einen guten Teil des Geldes für Sondertilgungen des Kredits verwenden. Im Alter von 40 haben viele Menschen ohnehin schon Kapital gebildet. Je nach Risikoempfinden kann bis zu 100% des Zusatzvermögens in Aktien gesteckt werden.

Im mittleren Alter beginnen Menschen aber auch darüber nachzudenken, sich das "Geschenk" eines vorzeitigen Ruhestands zu machen. Wer mit 60 aufhören möchte, kann bis zum Alter von 55 das Kapital vorwiegend in Aktien investieren und dann sukzessive in zinsnahe Anlagen umschichten.

Den Ruhestand vor Augen
Im Alter von 60 Jahren ändert sich spätestens die Wahrnehmung. Jetzt kommt der Gedanke auf, wie der Ruhestand zu gestalten ist. Immer mehr Menschen bleiben lange gesund, haben Freude an ihrer Arbeit und möchten möglichst lange berufstätig sein, was ja auch finanziell Vorteile hat. In dieser Altersklasse versuchen aber auch viele, mithilfe einer höheren Geldsumme früher aus dem Berufsleben auszusteigen, ohne Abschläge bei der gesetzlichen Rente zu kassieren. Oft finanzieren sich vor allem Frauen mit einer Erbschaft die Zeit zwischen 60 und 67 Jahren.

Für eine monatliche Zusatzrente von 1000 Euro benötigt man auf Sicht von zehn Jahre ca. 120.000 Euro, die man relativ schwankungsarm anlegt und verbraucht. Die restlichen 380.000 Euro werden für den Entnahmeplan zunächst nicht benötigt und können so am Kapitalmarkt höher rentierlich angelegt werden. Bei einer Rendite von 3,3% werden nach zehn Jahren wieder rund 500.000 Euro erreicht, die man dann erneut neu verteilen kann auf einen Entnahme- und Wachstumsteil.

Aber auch mit 60 Jahren ist die Lebenserwartung heute noch sehr hoch. Ein Alter von über 80 oder 90 Jahren ist heutzutage nicht mehr so selten. Das bedeutet: Es müssen noch 20 bis 30 im Extremfall sogar 40 Jahre finanziert werden. Die alte Regel, im Ruhestand das Vermögen in sichere Anleihen umzuschichten, ist deshalb aus zwei Gründen obsolet: erstens, weil sichere Anleihen häufig zu geringe Renditen abwerfen, und zweitens, weil wir heute im Schnitt sehr viel länger leben. Deswegen ist auch in diesem Lebensabschnitt die Aktie wichtig. Die konkrete Aktienquote wird vom Risikoempfinden bestimmt. Viele Senioren denken aber ohnehin langfristig bei der Geldanlage, weil sie ihr Vermögen vererben wollen.

Unser Rat:
Mit ein paar Daumenregeln lassen sich Fehler vermeiden:
(1) Die Anlagestrategie bestimmt 80% des Anlageerfolgs.
(2) Wer sein Kapital zu wenig auf verschiedene Anlagearten verteilt, riskiert große Verluste.
(3) Heiße Tipps mit sicherer Rendite über Marktzinsniveau können nicht seriös sein.
(4) Es zahlt sich aus, nicht nach Bauchgefühl der Masse am Markt nachzurennen, sondern in Ruhe systematisch anzulegen.

So sind auch unsere Anlagekonzepte STARKE MARKEN und SOKRATES(MOAR) bei Dr. Lux & Präuner auf eine nachhaltige und systematische Mehrung und Erhaltung des Vermögens ausgelegt.

Shell Tankstelle

Erdöl: Neuer Nahostkonflikt befeuert den Preis

Der Ölpreis ist ein sprunghaftes Biest. Im April 2020 lag der Preis für die Ölsorte Brent noch unter 16 USD, um danach kontinuierlich anzusteigen. Aufgrund des Ukrainekonflikts explodierten im Frühjahr letzten Jahres die Energiepreise, denn zunächst war unklar, wie Europa, insbesondere Deutschland, seinen Energiebedarf gegebenenfalls ohne Importe aus Russland decken sollte. Der Ölpreis schoss daraufhin auf 134 USD in die Höhe – immerhin eine Verachtfachung innerhalb von nur zwei Jahren.

Da sich die Situation in der Ukraine über Monate hinweg nicht wirklich entspannte, schien wenig dafür zu sprechen, dass in absehbarer Zeit überhaupt wieder ein Ölpreis deutlich unter 100 USD erreichbar sein würde, auch wenn die Abkoppelung von russischen Öl- und Gas-Lieferungen gute Fortschritte machte. Doch bereits fünf Monate später durchbrach der Ölpreis signifikant die 100-USD-Marke nach unten und stabilisierte sich in den letzten Monaten zwischen 70 und 80 USD.

Nun scheint sich das Fähnchen jedoch wieder zugunsten der Ölexporteure gedreht zu haben. Seit Juli steigt der Preis. Nach der Ukraine sind nun mal wieder alle Augen auf das Pulverfass Nahost gerichtet. Eine Eskalation im Gazastreifen kann den Ölpreis schnell wieder über die 100-USD-Marke hieven. Unabhängig davon, wie sich der Konflikt im Nahen Osten weiterentwickelt, es spricht auch viel aus charttechnischen Gründen dafür, dass genau das passieren wird, und wir uns in den Wintermonaten wieder auf Ölpreise jenseits der 100 USD einstellen müssen.

Die Energiepreise waren wesentlicher Treiber für die Inflation. Von dieser Seite her ist somit in den nächsten Monaten eher wieder eine Verschärfung zu erwarten. Die Notenbanken haben das offenkundig im Auge. Beispielhaft sei hier Robert Holzmann, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank (OeNB) zitiert, der im EZB-Rat als „Falke“ gilt (Befürworter einer restriktiven Geldpolitik) und darauf verweist, dass Lohnverhandlungen und steigende Ölpreise den Rückgang der Teuerung im Euroraum bedrohen würden: "Es gibt Schocks, die uns zwingen könnten, höher zu gehen.“ Zinsgipfel hin oder her, der Ölpreis könnte den Notenbanken noch in die Suppe spucken.

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